Rundgang durch Grötzingen
Ausgehend vom Schulhof der Grund- und Hauptschule kann man einen Rundgang durch Grötzingen starten, der auf rund zwei Dutzend Bild- und Texttafeln wichtige Bauwerke usw. beschreibt.
Das Grötzinger Rathaus
Das reichverzierte Fachwerk-Rathaus ist Zeichen des Wohlstandes der Gemeinde, von ihm zeugt auch das Silberglöckchen auf dem Dach beim Ostgiebel. Es trägt die Inschrift "Gegossen von Ludwig Edel, Straßburg, Gemeinde Grötzingen 1887 - Ferenz Ungerer, Turmuhrmacher." Das Glöckchen schlägt alle 15 Minuten. Das steinerne Erdgeschoss stammt aus dem 16. Jh., ebenso das sehr schöne Portal, das von Stabwerk umrahmt und an den Ecken mit Voluten verziert ist. Hochwassermarken an der Mauer zeigen den Stand früherer Überschwemmungen. Unter Schultheiß Erhard Kiefer wurde 1668 der Fachwerkbau ausgeführt. Im achteckigen Dachreiter hängt ebenfalls eine Glocke, die die vollen Stunden schlägt.
Die historische Grötzinger Kirche
Aus einer der fünf Grötzinger Kapellen ging 1255 die evangelische Kirche hervor. 1414 wurde an die Chortumkirche unter Markgraf Bernhard 1. ein Ostchor im frühgotischen Stil angebaut. Das Langhaus erweiterte man 1425 auf die heutige Breite, 1497 kam der Westturm (48,75 m) hinzu. Um das bis zu 22 Grad gedrehte Kirchturmdach (19,60 m) rankt sich die Sage, wonach der neidische Teufel es nicht auszureißen, sondern nur zu verdrehen vermochte. Vermutlich war die Drehung vom Zimmermann so gewollt. Ein alter Stich der Weißenburger Kirche zeigt ein ganz ähnliches Dach. Bemerkenswert ist auch das spätgotische Kruzifix am Altar (1510), das aus der Ulmer Schule stammt. Bei der Renovierung 1976/77 wurden im Chorbogen Fresken aus dem Jahr 1425 freigelegt.
Die Heilig-Kreuz-Kirche
Der Grundstein der katholischen Heilig-Kreuz-Kirche wurde am 28. September 1930 gelegt. Die zwischen den beiden Türmen hochgezogene Frontseite des Zentralbaus zeigt ein mächtiges Kreuz, die Türme bekrönen Doppelkreuze. Hier befindet sich auch ein eindrucksvolles Wegkreuzfragment aus der Gegend von Schöllbronn (18. Jh.). Im wunderschönen Rund des Innenraumes beachte man die Glasfenster des Grötzinger Kunstmalers Franz Dewald, ausgezeichnete Arbeiten zu biblischen Themen.
Das Schloss Augustenburg geht auf ein altes Pfründhaus zurück, das Markgraf Christoph I. (1475 - 1527) erwarb und umbaute. Markgraf Karl II. erweiterte es um die beiden Türme und Seitenflügel. Nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg residierte 1698 hier der badische Markgraf ein Jahr lang, da alle anderen Schlösser zerstört waren. Markgraf Friedrich Magnus (1677 - 1709) vermachte das Schloss seiner Frau, Markgräfin Augusta Maria. Die wohltätige Markgräfin verbrachte hier ihren Lebensabend, wo sie auch - während eines Gottesdienstes in der Kapelle - starb. Heute beherbergt das Grötzinger Schloss ein Seniorenzentrum.
Das Grötzinger Wappen
Im gespaltenem Schild ist vorn in Gold ein roter Schrägbalken, hinten in Blau ein goldener Turm zu sehen. Ersterwähnung: 991. Das Grötzinger Wappen setzt sich aus dem alten Wappen der Ortsherren, der Grafen von Grötzingen, und dem badischen Wappen zusammen. Das badische Wappen wurde nach dem Erwerb Grötzingens durch den Markgrafen Rudolf I. um 1220 vorübergehend mit dem alten Grötzinger Turmwappen vereinigt. In dieser Form lässt es sich für das 15. und 16. Jahrhundert nachweisen. Später wurde wiederum nur der Turm verwandt.
Römische Villa Rustica
Für die Anwesenheit der Römer zeugten noch lange die Reste eines Römerbades, das aber der Baggersee- Erweiterung zum Opfer fiel, außerdem eine "Villa Rustica", die an der Grötzinger Straße (Durlach) teilweise ausgegraben wurde. Die Grundmauern können besichtigt werden. Römische Funde sind auch auf dem Turmberg (Hohenberg) gemacht worden.Einen Besuch kann man z.B. auf dem Rückweg von Grötzingen nach Durlach machen.
Turmberg
Auf dem Turmberg hatten um 1100 die Herren von Hohenberg ihren Sitz. Diesen folgten als weißenburgische Lehnsherren die Grafen von Grötzingen. Heute ist der Turmberg mit seinem staufischen Mauerwerk ein beliebtes Ausflugsziel - die ganze Stadt Durlach und die Stadt Karlsruhe liegen ihm zu Füßen. Es bietet sich an, mit der Straßenbahn zur Endhaltestelle Durlach zu fahren und dann weiter mit der Turmbergbahn (Achtung, Fahrzeiten beachten) zum Turmberg zu fahren. Von dort kann man bequem und in kurzer Zeit nach Grötzingen wandern.
Durlach
Auch ein Rundgang durch Durlach lohnt sich. Besonders der Schlossbereich und der Marktplatz sind sehenswert. Das Pfinzgaumuseum bietet im Dachstuhl eine heimatkundliche Abteilung zu Landwirtschaft und Handwerk früherer Zeiten. Terminvereinbarung ist unbedingt erforderlich!
Hallenbad
Grötzingen bietet auch ein städtisches Hallenbad - es liegt auf dem Schulgelände und ist nachmittags für die Öffentlichkeit zugänglich.
„Hottscheck“ - der Grötzinger Neck- oder Übernamen
Zwei Sagen erzählen von der Entstehung des Übernamens "Hottscheck". Nach der ersten hatten Franzosen die Glocke aus Grötzingen geraubt und auf Durlacher Gemarkung vergraben. Nach dem Raub kommt es zum Streit zwischen Durlachern und Grötzingern, wem die Glocke gehöre. Während des lautstarken Streites spannt einer der Grötzinger Bauern seine Ochsen vor den Wagen, auf den die Glocke bereits geladen ist und treibt sein Gespann an, indem er ruft: "Hott, Scheck, Gretzinge zu".
In der zweiten Fassung sind es neidische Leute aus Wolfartsweier, die die Glocke in Grötzingen stehlen, bei Durlach aber eingeholt werden. Man beschließt, die Zugtiere den Streit entscheiden zu lassen. An beide Enden des Wagens werden Zugtiere gespannt, doch die Entscheidung bringt erst ein Grötzinger Bauer, der mit dem Ruf "Hott, Scheck, Gretzinge zu" auf seine Ochsen einschlägt. Wobei "hott" "rechts herum" heißt und mit Scheck ein scheckiger Ochse gemeint ist. |