Zum Geleit

Am Freitag, 8. November 2002, eröffnen wir im neuen Domizil in der Grund- und Hauptschule Grötzingen unser Badisches Schulmuseum e.V., das 1988 als Karlsruher Schulmuseum mit Sitz in der Tulla-Schule begründet wurde. Es erfüllt uns mit großer Freude, nach einer Zeit des Suchens den Schwebezustand und die leider zu flüchtige Liaison mit der Landesbildstelle, dem heutigen Landesmedienzentrum, hinter uns zu lassen und neue Perspektiven zu erhalten. Auch Grötzingen ist bereichert worden um ein Ziel für Schulausflüge und interessierte Erwachsene.

Allen, die uns geholfen haben, sei herzlich gedankt.
Auch wenn ein solcher Neubeginn noch ganz bescheiden aussieht, wird mit dem Namen „Badisches Schulmuseum“ der Anspruch verdeutlicht, badische Schulgeschichte mit dem Schwerpunkt Karlsruhe zu zeigen und eine Anlaufstelle zu sein für das Sammeln und Bewahren von Gegenständen und Dokumenten. Je mehr Mitglieder unserem Verein beitreten, desto erfolgreicher können wir Ausstellungen und Führungen oder Vorträge vorbereiten. Es soll dazu aufgefordert werden, uns z.B. Fotos von Schulen und Schülern mit Lehrern, alte Schulhefte und Schulbücher, Schulranzen und Schiefertafeln, Zeugnisse oder Schultüten, auch Schriftstücke oder ausrangierte Wandbilder und Karten aus Schulen anzubieten oder einfach vorbeizubringen. Nichts sollte einfach weggeworfen werden. Es gibt so vieles Bewahrenswertes: die alte Schulspardose wie auch ein Poesiealbum aus Schultagen, das Programm einer Schulfeier wie auch eine Ehrenurkunde und sei es ein Arrestzettel. Wir sind stolz, einen zwei Meter langen Spickzettel oder einen Bleistift mit dem „Horst-Wessel-Lied“ zeigen zu können. Was schlummert nicht alles noch an solchen Raritäten in Kellern und Speichern! Das Schulmuseum soll wachsen und mit ihm auch die Kapazität.

Wir sehen die großen Schulmuseen im Land nicht als leidige Konkurrenz, sondern als Partner mit ähnlichen Zielsetzungen. Wir sind bereit zu geben und zu nehmen: wir tauschen z.B. württembergische Lehrbücher gegen badische, Bollenkarten von fern gegen solche aus der Umgebung. Wenn Sie Originale nicht weggeben wollen, auch Repros von Fotos erfüllen ihren Zweck. In alten Schulheften schlummern vielleicht literarische Köstlichkeiten. Lassen Sie uns daran teilhaben.
In Sonderausstellungen und Vorträgen wollen wir neue Akzente setzen. Viele erinnern sich wohl noch an die ersten Nachkriegsjahre, an den Mangel an allem, so dass beschriebenes Packpapier die Hefte ersetzen musste, die Schülerspeisung (mit Essgeschirr), das Lernen erst möglich machte, Kohleferien hatten nichts mit Ferienjobs zu tun. Die Unterschiede zwischen den Besatzungszonen, die ersten demokratischen Gehversuche, der Wieder- oder Neuaufbau des Schulwesens, das wäre z.B. ein solches Thema. In manchen Fällen können wir Gegenstände auf Flohmärkten oder von privat erwerben.
Mit Spenden helfen sie uns. Gerade auch Pensionäre/innen und Ruheständler sind uns als erfahrene Kollegen willkommen. Zeigen Sie heutigen Schülern, wie Schule früher war! Seien Sie uns alle als Besucher und Mitglieder herzlich willkommen. Sie waren doch auch einmal Schüler(in)! Soll alles vergessen sein? Wir können die Vergangenheit unserer Schulzeit nicht ändern, aber besser verstehen und über die Schule der Zukunft gründlicher nachdenken.

 

Ingo Springmann

Das Schulmuseum in Karlsruhe  

Vielerorts entstanden in den letzten Jahrzehnten - vor allem in alten Schulgebäuden - kleine und auch beachtlich große Schulmuseen. Voller Bewunderung besuchten auch Karlsruher Lehrer und Schüler die großen Schulmuseen in Friedrichshafen am Bodensee und in Kornwestheim bei Stuttgart, beide im schwäbischen Landesteil Baden-Württembergs gelegen. Beinahe unbemerkt entstanden auch im badischen Landesteil kleinere Schulmuseen, z.B. in Friedrichstal/Stutensee nördlich von Karlsruhe und in Zell-Auerbach bei Offenburg in Südbaden. Unter Kennern sehr geschätzt ist auch die historische Lehrerbibliothek im Ludwig-Wilhelm-Gymnasium in Rastatt, die in Sonderausstellungen aus großen Beständen mittelalterliche und neuere Bücher, Abbildungen und Texte präsentieren können. Seit Jahren und in der Öffentlichkeit wenig bekannt befindet sich die Lehrerbibliothek des humanistischen Gymnasiums von Karlsruhe (früher Durlach) als Sonderbestand in der Badischen Landesbibliothek.
Erste Sammel-Aktivitäten für ein künftiges Schulmuseum in Karlsruhe begannen in einem 1989 gegründeten Verein „Schulmuseum Karlsruhe". Im historischen Schulgebäude der Tulla Grund- und Hauptschule wurde eine ständig wachsende Sammlung angelegt, so dass eine Auswahl von Exponaten ab Mai 1992 ständig gezeigt werden konnte. Nach Voranmeldung führten der Vorsitzende G. Ottwaska und einige Mitglieder des Vereins Schulklassen und interessierte Gruppen aus Karlsruhe und Umgebung durch die Ausstellung. Voller Schrecken beobachteten Mitglieder des Vereins immer wieder, dass bewahrenswerte schulgeschichtliche Gegenstände und Texte bei Entrümpelungsaktionen einfach weggeworfen wurden. Verständlicherweise kann natürlich nicht die gesamte schriftliche Überlieferung und das alte Mobiliar und die Unterrichtsmittel aller Schulen vollständig aufbewahrt werden.
In einer eigenen Lehrerfortbildungsveranstaltung thematisierte das Oberschulamt Karlsruhe für den Bereich der Landeskunde/ Landesgeschichte im März 1993 in Zusammenarbeit mit dem Generallandesarchiv, dem Stadtarchiv und der Landesbildstelle das Problem des Aufbewahrens schulgeschichtlicher Quellen. Das rechtsverbindliche Landesarchivgesetz von 1987 (geändert 1990) erschien auf den ersten Blick als Aussonderungs- und Wegwerf-Gesetz. In Grundsatzdiskussionen ergab sich dann, dass arbeitsteilig gesammelt und archiviert werden sollte. Dies schlug sich dann auch in einem Erlass des Kultusministeriums vom Februar 1994 nieder. Eine Liste verschiedener Schulen wurde zu dem Zweck erstellt, exemplarisch die Schulakten einzelner ausgewähIter Schulen - und nicht nur der staatlichen Schulbehörden - beim Generallandesarchiv zu sammeln und auch den Schulträgern (Kommunen) und anderen Einrichtungen für ihren Bereich lokale Sammlungen zu ermöglichen, bevor dieses „Kulturgut" vernichtet wird.
Die räumliche Ausstattung des Karlsruher Schulmuseums in der Tullaschule blieb auf ein Klassenzimmer, den Vorraum im Flur und Kellerräume zur Lagerung beschränkt, bis schließlich im Herbst 2000 aufgrund von Raumbedarf der Tulla-Schule alles ausgeräumt und abtransportiert werden musste. Als beste Möglichkeit ergab sich nach mehreren Gesprächen in der „alten" Landesbildstelle, dass uns deren Leiter, Dr. Stegmaier, in der „neuen" Bildstelle, dem künftigen ,,Landesmedienzentrum" ein Domizil unter dem neuen Dach zur Verfügung stellen konnte, mit dem gemeinsamen Ziel, dort baldmöglichst ein schul- und mediengeschichtliches Museum einzurichten. Am 1. März 2001 wurde schließlich in einem Trakt der ehemaligen Grenadierkaserne in der Moltkestraße in Karlsruhe das neue Landesmedienzentrum im Beisein der Kultusministerin Dr. Schavan eröffnet. Beim “Tag der offenen Tür” am 24. März 2001 hat das Schulmuseum Karlsruhe durch die Präsentation einer Austellung zum Thema „Zeugnisse" auf sich aufmerksam machen können. Die Exponate stammen zum Teil aus dem Fundus des eingelagerten Bestands, zum größeren Teil aber aus eigens dafür zusammengetragenem Material. Auf Grund des neuen Raumbedarfs sah die neue Leiterin, Dr. Susanne Pacher, im Landesmedienzentrum ab Frühjahr keine Möglicheiten mehr, das Schulmuseum zu beherbergen. Ein neues Domizil musste gefunden werden.
In der Grund- und Hauptschule Karlsruhe-Grötzingen fand sich ein gut geeignetes Schulgebäude (im Gebäudeteil in der Schloss-Schule) als endgültiges Domizil für das Badische Schulmuseum. Am 8. November 2002 wurde hier die Neueröffnung gefeiert.

Ingo Springmann

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