Rektor Rudolf Karg verabschiedet
Es gibt ein Leben nach der Schule
Der Weg ins Malerdorf schien ihm vorgegeben, denn er erblickte das Licht der Welt ganz in der Nähe zur Grötzinger Straße. Als Rudolf Karg zu Beginn des Schuljahres 2001/2002 die Leitung der GHS in Grötzingen übernahm, warnte man ihn eindringlich vor den Problemen, die hier bestünden und während der Feier zu seiner Amtseinführung brach in der Aula ein Feueralarm aus. Zehn Jahre später, zur Verabschiedung am 22. Juli 2011 blieben schrille Töne aus und der scheidende Rektor suchte noch immer nach den damals angedrohten Problemen. Dennoch erinnerte sich Herr Karg einiger Hürden und tief eingreifender Veränderungen, darunter manche, bei denen er sich von Besserem belehren ließ.
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Beispielsweise sei er zunächst ein Skeptiker der vollen Integration und Inklusion gewesen, doch die jahrelange Erfahrung mit Integrations- und Außenklassen der Albschule überzeugte ihn. Traurig war der Niedergang der Hauptschule und die nicht zugelassene Einführung der Ganztagsschule. Doch dafür hätten sich andere Fenster aufgetan, wie die ergänzende Betreuung und der Hort an der Schule. Manche Eltern waren beratungsresistent, aber nur ganz wenige, daher dankte der scheidende Rektor diesen, genau so wie den Lehrern, denen er bisweilen viel zugemutet habe. Die hätten dies jedoch überstanden, ohne jemals das wichtigste an der Schule aus den Augen zu verlieren: die Schüler! Insbesondere den Konrektorinnen Frau Köster und Frau Schneider. Die hatte nach Kargs hoher Freistellung vom Dienst an der Schule die eigentliche Leitung übernommen, zusammen mit Frau Gutwein-Lohmeier und Herrn Strauß.
Viele erkenntliche Worte fand Herr Karg für Ortsvorsteher Thomas Tritsch und dessen Vorgänger Armin Ruf, die Ortsverwaltung, den Bauhof, die Vereine und Kindergärten. „Frau Schweinfurt war für mich als Sekretärin unersetzlich, denn sie kennt die Grötzinger besser als ich, Haustechniker Herr Haschka ließ sich in Notfällen mitten in der Nacht aktivieren und Ellen Sick rieb sich im Förderverein für die Schule auf.“
Wichtigste Vertrauensperson während seiner beruflichen Laufbahn war Ehefrau Gabi. Sohn und Enkel erfüllten den scheidenden Rektor sichtlich mit Stolz. „Es war schön in Grötzingen“, blickte er zurück und zitierte Rilke mit „man muss nie verzweifeln, wenn etwas zu Ende geht“, um sich abschließend zu bedanken, „dass Sie mir ein letztes Mal so lang zugehört haben.“ Eine sanfte Antwort auf die Grußworte der zweiten Elternbeiratsvorsitzenden Dr. Gabriele Vorberg, die zur gleichen Zeit mit Herrn Karg die Schule verlassen wird. „Ich meinerseits kann mich kurz fassen“, schrieb sie ihm ins Stammbuch, gegenseitig hätten sie ausgeteilt und einstecken lernen müssen in der gemeinsamen, von Toleranz und Respekt vor einander geprägten Zeit der Zusammenarbeit. |
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Konrektorin Christine Schneider konnte sich nicht vorstellen, wie ihr stets quirliger und bewegter Vorgesetzter tatsächlich in einen echten Ruhestand treten könne. Daher hatte sie ein paar praktische Utensilien mitgebracht, die dabei behilflich sein könnten. Pädagoge, Psychologe, überaus beliebter Schulleiter, Personalrat, Mitbegründer des Schulmuseums und einer, der bemüht ist, Theorie und Praxis miteinander zu verzahnen: Rudolf Karg zeichne sich selbst durch sein enormes Engagement aus, meinte Schulrätin Elke Rosenberg. Ortsvorsteher Thomas Tritsch nannte ihn einen „Alleskönner mit Managerqualitäten“.
Die Entwicklungsfähigkeit eines Landes beginne in dessen Klassenzimmern, hier habe der Pädagoge Karg für viele junge Menschen die Zukunft erschlossen.
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Der Ortsvorsteher verglich die Schule mit einem Computer, bei dem das Betriebssystem dem Schulleiter mit dem Überblick im Hintergrund gleicht.
Viel Lob und Dank sprach aus weiteren Reden der Vertreter des örtlichen Personalrats, des Verbandes Bildung und Erziehung, oder der geschäftsführenden Schulleiterin, Frau Roth, die in Aussicht stellte: „Es gibt tatsächlich ein Leben nach der Schule!“
Das Orff-Ensemble, Schüler der Klassen 1 und 2, der Schulchor, Schüler des Konservatoriums, Annabel Korn und Frau D. Korn und im Hintergrund Frau Schmolla und Herr Krey gestalteten die Feier musikalisch. Der Schulchor fasste den Inhalt der Reden und die Stimmung der Veranstaltung zum Weggang von Rektor Karg treffend zusammen und sang sie lauthals heraus, im Lied von der Made: „Schade!“ Sts
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus "Das Pfinztal", Juli 2011
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