Abschied

Es wäre beinahe ein trauriger Abschied geworden, weil sich partout niemand finden wollte, um die weitere Leitung des Schulgartens zu übernehmen. Doch jetzt ist es Waltraud Frey leichter ums Herz, denn eine versierte Gärtnerin, Frau Pangerl-Greul, will ihre Nachfolge antreten. Und das kleine Paradies beim Schulhof ist vorerst gerettet.

Der Schulgarten lag für einige Zeit im Dornröschenschlaf, als im Jahr 2005 erst eine Eltern-AG und dann Frau Dr. Wenigwieser die Bearbeitung der kleinen Schullandwirtschaft wieder in Angriff nahm. Bis zum Sommer 2006 war so bereits ein anschaulicher Garten entstanden, der die bewundernden Blicke der Nachbarn und so manches Passanten im Schulhof auf sich zog. Etwa in dieser Zeit las Naturpädagogin Frey, sie werde die Leitung des Projekts übernehmen: „Ich war völlig überrascht, aber vielleicht hat mir der liebe Gott damit einen Schupfer gegeben... ", dachte sie und machte sich unverzüglich ans Werk. Bald stellte sich Herr Paffrath an ihre Seite, der 30 Jahre Gartenbaulehrer an der Freien Waldorfschule war. „Ein wahrer Glücksgriff für unseren Garten und die Arbeitsgemeinschaft", sagt Frau Frey, und erinnert sich auch an die Unterstützung durch den Grötzinger Bauhof, den Hausmeister Herrn Haschka und den Lehrer Herrn Lung. Mit viel Herz, Sachverstand und Liebe zu ihren menschlichen und pflanzlichen Zöglingen widmete sie sich naturverbunden ihren selbst gesteckten Zielen: „Die großzügige Sponsorin Frau Krauße griff uns finanziell unter die Arme. So konnten wir auch tierische Nützlinge kultivieren, Nistkästen und Nisthilfen anbringen, Ohrenzwickerheime erstellen und Wildbienen zum Bestäuben der Blüten ansiedeln".
abschied von frau frey

Bald lebte der Garten in der Schule und die Schule in ihm, wenn Klassen ihn zu kleinen Feiern und Ergänzungen zum Unterricht nutzten. Herr Posmek und die Außenklassen der Albschule wurden weitere Verbündete und ergänzten die Arbeitsgemeinschaft. Den gemeinsamen Arbeitstag am Mittwoch vermisst Herr Posmek schon jetzt, doch die Nachfolge von Frau Frey konnte er nicht antreten: „Zu viele andere Verpflichtungen an der Schule, zum Beispiel die Mensa ,Crazy Mocca` ".
Waltraud Freys Ideenreichtum ist schier unerschöpflich, Geld aber keines vorhanden und die Kräfte der Schüler sind begrenzt. Mit Koordination vom Stadtjugendausschuss, Zimmerleuten und Realschülerinnen von „BEO" bauten die Schüler der Außenklassen, Frau Frey und Herr Posmek ein grünes Klassenzimmer. „Leider wartet es immer noch auf seine Möblierung" , bedauert die Naturpädagogin. Frau Frey, Herr Posmek und die Schüler nutzten ausgediente Schilderhäuschen der Grötzinger Ortseingänge zum Bau eines komfortablen „Hotel Summbrumm", was selbst den Baden-Württembergischen Wildbienenexperten begeisterte.

V 1. nach r.: Drei angehende Gartenbauer, Herr Treiber, Frau Pangerl-Greul, Herr Posmek und Frau Frey.

Die Wildbienenbettchen waren also gemacht. Doch es fehlte ein Restaurant. Da hatte Waltraud Frey schon wieder eine Idee: Eine Trockenmauer im benachbarten Schulgarten! Dort könnte blühen, was die summenden Gäste gern auf ihrer Speisekarte sähen. Die Sandsteine lagen bereit, waren aber viel zu schwer! Der rettende Einfall: Herr Treiber von der Busenbacher Gärtnerei des Internationalen Bundes und drei angehende Garten- und Landschaftsbauer des IB. Die arbeiten noch an der „Chinesischen Mauer", welche aber schon gut erkennbar ist und der baldigen Fertigstellung entgegen sieht.
Die Ära der Gartenfee Waltraud Frey brachte ein prächtiges Schaustück der Gartenkultur hervor und wurde für manchen Schüler zum Ort höchster Glückseligkeit. Frau Pangerl-Greul möchte das so beibehalten. Sie ist dafür mehrfach bestens vorbelastet. Beim Grötzinger Obst-, Wein- und Gartenbauverein kennt man sie als tüchtige Mitstreiterin und zu Herrn Paffrath hat sie auch schon einen guten Draht: Sie engagiert sich seit Jahren im Garten der Waldorfschule. StS

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus "Das Pfinztal", Mai 2011

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