Gudrun Mebs liest in der Schule

Mariemoritz mit dem Opaschrumpelglatzkopf

Wie kreativ kann Langeweile sein! Vor dreißig Jahren regnete es Bindschnüre während des Urlaubs von Gudrun Mebs und die Schauspielerin war es nach einigen Tagen leid, untätig Däumchen zu drehen. Kurzerhand besorgte sie sich Schreibmaterial, setzte sich an einen Tisch und bald war „Geh nur, vielleicht triffst du einen Bären“ fertig. Inzwischen sind dem Zeitfüllerprodukt von 1980 fünfundzwanzig weitere Publikationen gefolgt, die mit zahlreichen deutschen und internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet wurden und der Autorin den Bayerischen Verdienstorden und das Bundesverdienstkreuz einbrachten. Am Montag war Gudrun Mebs auf Einladung der Leiterin der Stadtteilbibliothek, Ilka Schwettmann, zu Besuch in der Grötzinger Schule.

Die Zweit- und Drittklässler wissen schon, wer Gudrun Mebs ist, aber manche ihrer Lebensgewohnheiten lässt die Kinder schon staunen, denn einen Fernseher hat die Erfinderin der TV-Serie „Siebenstein“ nicht und auch keinen Computer: „Ich schreibe in meiner kleinen Münchner Wohnung auf einer Schreibmaschine an einem riesigen Tisch, der in meiner Küche steht“, erzählt sie. Statt Elektronik setzt die Schriftstellerin lieber auf Lebendiges: „In Italien, auf dem Land, habe ich sechs Katzen und zwei halbzahme Füchse!“ Lebendig bleibt auch ihre Lesung. Kaum hat sie ein paar Seiten aus „Mariemoritz“ vorgetragen, da verwandelt sie schon das Musikzimmer der Schule in ein kleines Theater. Sie improvisiert ein Zimmer auf der Entbindungsstation in dem Schüler die Mama, Papa und Krankenschwester mimen, ein Anorak zum neugeborenen „Opaschrumpelglatzkopf“ Marie verwandelt wird und Jonas mit stocksaurer Miene den beleidigten Bruder David spielt. Nach dieser kleinen Szene verstehen alle, wie sehr der David des Buches erschrickt, als die kleine Marie erkrankt und dass er erst dann merkt, wie lieb er sie schon hat und von nun an „der beste Bruder der Welt“ sein will! 

Die Initiative der Stadtteilbibliothek von Frau Schwettmann bescherte der Schule „Literatur zum Anfassen“, ganz lebendig erlebt und teilweise selbst vorgeführt!   StS

Nachruck mit freundlicher Genehmigung aus "Das Pfinztal" / Foto: Steinhardt-Stauch

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