Schulentlassfeier in der GHS
Das Fliegen und die Gelassenheit der Hummel
Er hat schon viele mitgemacht, dennoch rühren sie ihn immer wieder an und am vergangenen Freitag verursachte sie ihm eine „Gänsehaut“, die Schulentlassfeier der Klasse 9. „Ich weiß nicht, bin ich jetzt traurig darüber, dass sie gehen, oder sollte ich froh sein, dass sie es erreicht haben?“, beschrieb Rektor Rudolf Karg das Wechselbad der Gefühle, dem er ausgesetzt war. |
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Scheinbar Widersprüchliches gab auch die Vorsitzende des Elternbeirats, Dr. Gabriele Vorberg, mit Worten von Erich Kästner zu Bedenken: „Lasst euch die Kindheit nicht austreiben, seid nicht zu fleißig, lacht die Dummen nicht aus, denn ihr könntet selbst mal die Dummen sein und misstraut euren Schulbüchern!“
Und selbst Herr Tritsch hatte Gegensätzlichkeiten mit im Gepäck: „Schule verleiht Flügel, aber um in Freiheit, mit Kreativität und Fantasie flügge zu werden, braucht es auch Wurzeln, wie sie Eltern und Schule euch mitgegeben haben!“ Die gäben Halt und bestimmten die Richtung, sagte der Ortsvorsteher und erinnerte die Jugendlichen daran, wie sie vor neun Jahren zur Einschulung „geflattert“ waren und dass es gar nicht so einfach war, das freie Fliegen zu erlernen, bis das Flugziel erreicht war. Er wünschte den glücklich Schulentlassenen die Gelassenheit der Hummel: „Nach den Gesetzen der Aerodynamik ist es ihr unmöglich, zu fliegen. Das weiß sie aber nicht und fliegt daher einfach!“ |
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Herr Karg bemühte lieber das Fußballspiel anstelle von Kästner oder die Hummeln. „Danke, für das gute Spiel, in dem es kaum Fouls und keine roten Karten gab! Lasst aber nicht nach mit dem Trainieren! Ihr werdet noch schwierigere Spiele erleben!“, gab der Schulleiter, „Manager und Schiedsrichter“ mit auf den Weg in die neue Saison. In den kommenden Jahren würden die Menschen mit einem Hauptschulabschluss äußerst gefragt werden, besonders an Auszubildenden in Handwerksberufen bestünde bald ein Mangel: „Das ist eure große Chance!“
Eine muntere Schar festlich gekleideter junger Leute stand im Mittelpunkt der Feier in der Aula. Acht Absolventen hatten mit – teils beachtlich guten Noten – ihren Hauptschulabschluss erlangt und wurden in gelöster Atmosphäre verabschiedet, beziehungsweise verabschiedeten sich selbst mit einem vielfältigen, spritzigen Programm aus Schauspiel, Bilderschau, Tanz und Musik, darunter ein einfallsreicher „Lehrer-Song“ und ein umsichtiges Dankeschön mit Präsenten an alle Unterstützer und Förderer ihrer Schulzeit. „Wir haben zu einer richtigen, guten Gemeinschaft zusammengefunden“, freute sich Klassen- und Schulsprecherin Cicek Efe, und die Klassenlehrerin bestätigte dies gern: „Ihr habt euch bemüht und dass diese Feier ein rauschendes Fest wird, ist euer Verdienst! Mit pfiffigen, warmherzigen und treffenden Worten stellte Frau Bloch jede einzelne Schülerin und jeden Schüler aus ihrer „Lieblingsklasse“ vor. Bisher haben sie sich gegenseitig Halt gegeben, nun müssen sie ohne die Kameraden zeigen, was sie gelernt haben. |
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Aus der Hand von Rektor Karg erhielten Claudia und Nina den Preis der Schule.
Besonders gern übernahm Ortsvorsteher Tritsch die Übergabe des Preises der „Hauenstein-Stiftung“. Gerhard Hauenstein wurde 1932 in Grötzingen geboren und wanderte in den 50er Jahren nach Kanada aus, wo er am 23. April 2006 verstarb. „Er wollte der Schule seines Heimatortes etwas Gutes tun“, erinnerte sich sein Grötzinger Bruder, „und errichtete eine Stiftung“. Nach dem Willen des Stifters wird aus dem alljährlich erzielten beachtlichen Zinsertrag ein Geldpreis als besondere Auszeichnung an einen oder mehrere Schülerinnen oder Schüler der Entlassklasse ausbezahlt. In diesem Jahr an Cicek Efe: „Sie vermittelt zwischen Lehrern und Schülern, zwischen Schüler und Schülern und zwischen den Kulturen. Sie bringt immer viel Freizeit ein, übernimmt Verantwortung, zeigt Engagement und erbringt Leistung!“, sprach der Ortstvorsteher sein Lob aus und blickte in Ciceks Zukunft: „Sie wird in ihrem weiteren Leben in Beruf und Familie ein zuverlässiger Partner sein. Schule verleiht Flügel!“ StS
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus "Das Pfinztal"
Fotos: U. Steinhardt-Stauch |
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