Hotel Summbrumm

Wildbienenstation im Schulhof eröffnet


Der Grötzinger Ortsvorsteher eröffnet eher selten ein Hotel. Daher war er am Mittwoch mehrfach erfreut und stolz, denn ein „altes Dächle" aus dem Fundus der Ortsverwaltung bildete den Grundstock für den Neubau der Luxusherberge und die Grötzinger Schule, der Bauhof, das Liegenschaftsamt der Stadt und die Albschule planten und bauten die exklusive Unterkunft Hand in Hand. Obendrein blickte Thomas  Tritsch auf die Ursprünge seiner beruflichen Laufbahn zurück: „bei der Unteren Naturschutzbehörde in Rastatt". Das „Wildbienenhotel Summbrumm" hat damit sozusagen amtliche Wurzeln.
Zunächst stieß das Projekt in der Schule auf erbitterten Widerstand: „Wir mussten den Eltern erst erklären, was Wildbienen eigentlich sind und, dass sie absolut nicht aggressiv reagieren. Erst als alle Elternbeiräte schriftlich einwilligten, konnte der Bau begonnen werden", erinnerte sich Rektor Rudolf Karg. Dazu ergänzte Barbara Pollack, Schulleiterin der Albschule: „Wir sehen hier die Vollendung eines Werkes der Integration und Kooperation im schönsten Sinne."
Am Anfang stand ein Wunsch der unermüdlichen Gartenfee Waltraud Frey und die Vorstellung von einer Umsetzung des Gedankens bei ihrem Mitstreiter in der Garten-AG, Herrn Posmek. Wildbienen siedeln meist in Biotopelementen wie Trockenmauern oder schütter bewachsenen, sandigen Flächen; die meisten lassen sich jedoch durch Nisthilfen in entsprechend bearbeiteten Holzblöcken ansiedeln. Die ausrangierten „Schilderhäuschen" der Grötzinger Ortseingänge boten sich als ideale Bauträger an, also verpasste der Bauhof einem ein bombenfestes Fundament am neuen Standort und die Garten-AG diesem das Umhängeschild: „Hier entsteht eine Wildbienenwand". „Dann begann erst die wirkliche Arbeit, und die nicht zu knapp!" erinnert sich Waltraud Frey: „Es wurden dicke und dünne Äste gebohrt und gehobelt und zusammengefügt, was dazugehört, damit unterschiedlichste Bienenarten Unterschlupf finden können!" Mit Geschick und Fleiß waren die Schüler der Außenklasse der Albschule und der berufsvorbereitenden Einrichtung dabei, unterstützt von Rat und Tat der Herren Krüger, Kassel und Roser vom Liegenschaftsamt und selbstverständlich dem Grötzinger Bauhof, allen voran Ortsbaumeisterin Guttenbacher und Herr Fleisch. Herr Haschka sorgte und schaute zusätzlich hausmeisterlich, wie immer.
Seit Mittwoch offiziell eröffnet, steht der Bau attraktiv und sachdienlich und daher teilweise bereits bewohnt, in einem kleinen Schaugarten. Der baden-württembergische Wildbienenexperte sei begeistert, berichtet Frau Frey. Er konnte zur kleinen Feier bei Apfelbowle mit Minze und Rosenblättern nicht erscheinen, daher hatten Jens und Marcel aus der 3c die Aufgabe der Sachverständigen wahr genommen und standen ihren Mitschülern Rede und Antwort: Wildbienen produzieren keinen Honig und kein Wachs. Ihr Aussehen variiert sehr stark, manche sind ganz schwarz und andere sehen aus wie Wespen. Sie stechen nur, „wenn du sie zerquetschen willst" und sind unendlich wichtig zur Bestäubung von Blüten, ohne sie kein Obst und keine Beeren. Sie bilden keine Völker, nur eine „ Mutterbiene " legt ihre Brut in eine Röhre, „bäckt" ihr einen Kuchen aus Pollen mit Nektar und „mauert" sie damit ein. Die Bettchen im „Hotel Summbrumm " sind also gemacht. Doch es fehlt ein Restaurant. Da hat Waltraud Frey schon wieder eine Idee: Eine Trockenmauer im benachbarten Schulgarten! Dort könnte blühend wachsen, was die summenden Gäste gern auf ihrer Speisekarte sähen. Die Sandsteine liegen bereit, aber unendlich schwer! Es braucht tatkräftige Unterstützung durch Maschinen. „Ihre Ideen sind uns stets willkommen", sagte Ortsvorsteher Tritsch bei der Hoteleröffnung. Vielleicht könnte dieses Vorhaben ebenfalls von Amts wegen verwirklicht werden?
Rektor Rudolf Karg fasste zutreffend für ganz Grötzingen zusammen: „Jetzt haben wir mit den Bienchen auf dem Schulhof ein Beispiel dessen, wie es bei uns zugeht: Immer ganz fleißig!" StS

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus "Das Pfinztal"

 

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