Bereits zum sechsten Mal initiierten die Stiftung Lesen und die Wochenzeitung DIE ZEIT einen bundesweiten Vorlesetag. Die Idee dazu: Jeder, der Spaß am Vorlesen hat, liest an diesem Tag anderen vor – zum Beispiel in Schulen, Kindergärten, Bibliotheken oder Buchhandlungen. In Karlsruhe beteiligten sich daran am 13. November Einzel- und Gruppenvorleser, Prominente aus Medien, Kultur und Gesellschaft und die Politiker Renate Rastetter und Johannes Stober.
„Nach 21 Jahren als Lehrerin in Königsbach-Stein bin ich seit 13 Jahren in meiner Fraktion im Landtag für Schulpolitik zuständig und kümmere mich um Kinderwünsche“, stellt sich Frau Rastätter vor, will aber selbst auch einiges wissen: Wer gerne liest und wer nicht, was beim Lesen Spaß macht und wo man am liebsten liest. Da outen sich schon mal drei, die lieber anderes machen, einige schätzen besonders Poesie und Information, welche von Büchern vermittelt werden und allerliebst kuschelig ist der bevorzugte Ort zur Aufnahme geliebter Lektüre: das Bett! Das erstaunt die Abgeordnete keineswegs, denn sie fungiert bereits zum fünften Mal als Vorlesedame, weil sie es liebt, Kindern die Welt der Literatur und das Glück des Lesens nahe zu bringen.
Renate Rastätter hält eine ganze Schulstunde lang ihr junges Publikum in Atem. „Das Rätsel der Geisterstadt“, Philipp und Anne aus dem magischen Baumhaus und der wilde Westen mit galoppierenden Mustangs, Geisterklavier, Cowboys und Banditen füllen das Klassenzimmer atmosphärisch. Ein Projektor zaubert Illustrationen zum Text auf die Tafel und entführt zusätzlich in die Weiten der Prärie. Wird das verlorene Fohlen seine Pferdemama wieder finden? Können Philipp und Anne dem netten Cowboy Slim helfen, die wilden Mustangs einzufangen?
„Bücher lesen ist Abenteuer leben“, freut sich die Karlsruher Politikerin, nachdem sie ein gutes Ende der Geschichte verkündete und spontanen Beifall für ihre Vorlesekünste erhalten hat. Die Grötzinger Schüler sind nicht unkritisch, schließlich arbeiten sie jährlich wechselnd im Projekt „Eine Schule liest einen Autor“ und beteiligen sich beim „Ohrenspitzer“-Programm. Erst kürzlich stellten sie wieder die Jury für den Hörspielpreis der Stadt Karlsruhe. Doch Mary Pope Osbornes Episode aus mittlerweile über vierzig Bänden dieser Autorin hat es allen angetan und war sogar „toll und spannend, obwohl ich es schon mal gelesen habe!“ Schön war auch, dass „ das Mädchen in der Geschichte die Mutige war und der Junge der Angsthase“. Die Drittklässler bleiben nicht alleine in ihrem Bücherglück, denn: „Kinderbücher lesen ist für mich bei meiner anstrengenden Tätigkeit purer Luxus, in dem ich richtig schwelgen kann“, gibt Renate Rastätter gerne zu. Nach einer Stunde im Grötzinger Klassenzimmer findet ihr „Luxus“ bald wieder ein schnelles Ende, obwohl Konstantin zu locken versucht: „Willst du uns denn nicht noch besser kennen lernen?“ Die Abgeordnete muss heute noch Alltagsgeschäfte der Politik erfüllen. Die Schüler übrigens auch, denn nach der Pause ist Klassenratssitzung: „Da sagt man, was eim nicht passt“. Die schnöde Realität hat alle wieder fest im Griff! StS
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus "Das Pfinztal" |