Kinderhörspielpreis der Stadt Karlsruhe

Grötzinger Kinder entscheiden, was Kindern gefällt

Was gehört eigentlich alles zu einem guten Hörspiel? Die Mädchen und Jungen von der Jury  sind selbstverständlich bestens bewandert: Gut passende Töne und Sprecher müssen schon sein, dazu je eine Portion Lustiges und Rätselhaftes und durchgehende Spannung, die zum Schluss zum guten Ende führt! Bereits im Vorfeld setzen die Fachleute aus den dritten und vierten Klassen die kritischen Daumenschrauben an, wenn etwas partout nicht in dieses Konzept passen will: „Das ist langweilig, das könnte ich vielleicht meinem kleinen Bruder vorspielen, der ist erst vier,“ sagt eine, die andern nicken zustimmend und – schwups, schon ist „Henriette Bimmelbahn“ auf dem Abstellgleis, noch bevor die eigentliche Wahl begonnen hat.

bild 1

Bereits zum  zweiten Mal sind die Kinder der Grötzinger Schule für die Karlsruher Hörspieltage als verantwortliche Jury im Boot. Bei dem von der Stadt Karlsruhe gestifteten Preis entscheiden  Kinder, was Kindern gefällt und für Kinder gut ist. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert und wird für die beste Autorenleistung oder für die beste Bearbeitung eines Textes zu einem Hörspiel verliehen. Zur Auswahl stehen Hörspielproduktionen von den Rundfunkanstalten der ARD und von Deutschlandradio Kultur, die im Rahmen des Festivalprogramms bei den ARD Hörspieltagen in Karlsruhe 2009 öffentlich vorgeführt werden.

"Die Grötzinger Schülerinnen und Schüler sind vor allem deswegen besonders kompetent, weil unsere Schule auch am ‚Ohrenspitzer-Projekt’ des Landes teil nimmt“, sagt Lehrer Joachim Krey, der federführend Ohrenspitzer, Hörspiel-Jury und „eine Schule liest einen Autor“ betreut. Er hat immer beobachtet, dass Liebhaber von Hörstücken gleichzeitig Bücherfreunde sind und eifrig lesen. „Literatur kann gelesen und gehört werden, ich habe noch nie erlebt, dass ein Kind eines der beiden Genres ausschließlich genutzt hätte!“ Die Beobachter Frank Herrmann, Referent des Landesmedienzentrums, Dr. Rolf Fath und Petra Flotha vom Kulturamt Karlsruhe kennen den Sachverstand der jungen Jury. Ebenso Dr. Josef Kloppenburg, Professor der Pädagogischen Hochschule. Er brachte sechs Studentinnen im Praktikum als weitere Wahlbeobachter mit in den Musiksaal der GHS.

Neun Hörspiele stehen zur Auswahl, die für Gold- Silber- und Bronzemedaille nominiert wurden, ähnlich, wie bei Olympischen Spielen. Herr Krey teilt Wahlzettel aus. Lars, Jonas, Friederike, Jael, Cara, Amelie und Ida schielen ein wenig bei den Nachbarn rein und grinsen dann wissend oder stöhnen gequält auf. Es wird ein enges Rennen, beim ersten Wahlgang erreichen erster und zweiter Platz Punktgleichheit. Zweiter Durchgang: Wieder nicht eindeutig! Nun greift Lehrer Krey zu salomonischen Methoden: Er liefert je ein kurzes Hörbeispiel der  Favoriten. Danach geht im dritten Gang „Radio Tobi“ als erstes durchs Ziel, knapp vor „Prinzessin Knöpfchen“ und „Peter Pan“. Warum? „Weil bei den Gewinnern die Sprechrollen passend besetzt waren, weil’s spannend und lustig ist und weil alles ein gutes Ende nimmt!“ Hier ist sich die Jury bei allen Siegern einig. Nur die Musik: „Da war ‚Radio Tobi’ am besten!“ Und was hätte Herr Krey gewählt? „Das ist nicht ausschlaggebend, denn Lehrer sind schon zu alt…“

Jetzt sind erst Mal Herbstferien bis zum 2. November. Am 8. November, dem Kinderhörspieltag um 15.15 Uhr findet im Foyer des ZKM die Preisverleihung statt. Mit dabei: Die Leiterin des Karlsruher Kulturamtes, Dr. Susanne Asche, Herr Krey und die fachkundige Jury aus Grötzingen. Amelie und Friederike werden dann den Grötzinger Entschluss öffentlich begründen.
GfdS: Grötzingen fand das Super-Hörspiel!              StS

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus "Das Pfinztal"

bild 2 bild 3 bild 4

 

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------