Pressegespräch im Rektorat der GHS
Gewaltprävention und Ganztagsgrundschule

„Carpe diem" ist gut sichtbar hinter dem Schreibtisch von Schulleiter Rudolf Karg zu lesen. Diesem Motto sieht sich der oberste Lehrer Grötzingens nicht nur in 24-Stunden-Einheiten verpflichtet. Daher nutzte er jüngst Minuten des Wartens im Rektorat zu einem informativen Pressegespräch. Mit am ,Runden Tisch' saßen bei der Vorstellung schulischer Aktivitäten und Neuigkeiten Ortsvorsteher Thomas Tritsch, Regierungspräsident Dr. Rudolf Kühner, Verwaltungsdirektor Wolfgang Vetter vom Schul- und Sportamt, Schulamtsdirektorin Bärbel Raquet vom Staatlichen Schulamt und der Vorsitzende der Grötzinger Elternvertretung, Wolfgang Heise.

Letzterer begrüßte die Einführung der neuen ,Europaklasse' mit teilweise bilingualem (französischsprachigem) Unterricht durch Europalehramtsabsolventin Thea Schröder: „Ein enormer Pluspunkt für unsere Schule", der zum Anlass für das Gespräch im Rektorat wurde, denn Regierungspräsident Kühner kam zu einer Preisverleihung an diese Klasse. „Manchmal sind Kinder einfach schüchtern, da hat Frau Schröder mit ihren Schülern vor der Begegnung mit der französischen Partnerklasse den Reiseführer als Einstieg in die Kommunikation erstellt", erklärte Rudolf Karg und freute sich gleich doppelt: „Ein schöner Erfolg für die 3a und ihre Lehrerin, aber eigentlich an unserer Schule eine ganz normale Arbeit, wie sie aus dem Unterricht entsteht und tagtäglich geleistet wird!", und die Pflege der internationalen Verbindungen mit Partnerschulen in Wissembourg im Elsass und SZmigród in Polen bereichern Grötzingen und bilden einen kulturellen Mittelpunkt.
Rektor Karg hatte noch mehr zu bieten. Demnächst wird nämlich ein Lern- und Lehrplan zur Gewaltvorbeugung verbindlich für alle Klassen eingeführt. Der Rektor ist sich zwar sicher, dass die Gewalt an seiner Schule bisher nicht zunahm, aber „wenn Eltern der Meinung sind, dass in der Schule Gewalt ausgeübt wird, glauben ihre Kinder daran und verhalten sich dementsprechend". Verzwickter Ursprung einer Spirale, die Herr Karg an der Grötzinger Schule mit dem Curriculum unterbrechen will.
Überhaupt ist die Schule in Grötzingen eine „der Bestausgestattetsten" , bestätigten Ortsvorsteher und Schulleiter übereinstimmend. „Die Schule beschäftigt mich seit meinem ersten Tag in Grötzingen und auch der Ortschaftsrat und die Verwaltung fühlt sich der Schule sehr verbunden, die in Karlsruhe einzigartig ist, vom baulichen Ensemble, der Ausstattung und Einrichtung", brachte Herr Tritsch seine Anerkennung zum Ausdruck. Dennoch wird die Hauptschule am Ort aussterben, wie der Ortsvorsteher demnächst im Ortschaftsrat bekannt gibt. Im nächsten Jahr gibt es nur noch zwei Klassen der Hauptschule, eine neue fünfte Klasse konnte nicht gebildet werden. Der Gemeinschaft der - demnächst - neunten Klasse ist empfohlen worden, an andere Schulen zu wechseln. Zwar war die individuelle Betreuung für nur noch sechs Schüler der Förderung des Verständnisses der Lerninhalte sicherlich dienlich, aber „im Sozialgefüge der Schule ist eine neunte Klasse, bestehend aus fünf Jungen und einem Mädchen, eine unsinnige Einheit".
Die Grundschule sieht Rudolf Karg auf dem Weg zur Ganztagsschule. Dabei wird er von Regierungspräsident Kühner unterstützt, denn in den Ballungsräumen gehe „ der Trend eindeutig da hin, bisher haben wir keinen einzigen Antrag darauf abgelehnt". Außerdem befürwortet er „Hauptschule plus Werkrealschule für eine stabile Zweizügigkeit, denn Eltern erwarten, dass ihren Kindern die Chance auf einen mittleren Bildungsabschluss geboten wird". Dabei wolle die Politik den Dörfern nicht ihre Hauptschulen nehmen, aber die Qualitätssicherung an größeren Schuleinheiten sei besser einsetzbar: „Dem Schulabschluss muss unmittelbar ein Ausbildungsplatz folgen. Man darf sich auch nichts vormachen, denn die Orte werden um Einwohner konkurrieren, da werden Rahmenbedingungen der Infrastruktur zum schlagenden Argument! "
Es wurden noch ein guter Strauß politischer und pädagogischer Konzepte ins Feld geführt. Deren Zusammenfassung hatte für alle Teilnehmer am Gespräch im Rektorat einen gemeinsamen Nenner, welchen der Regierungspräsident in einen Satz kleidete: „Die Durchgängigkeit der Dreigliedrigkeit unseres Schulsystems muss erhalten bleiben!"
Das wird nachdrücklich durch die Aussagen des statistischen Landesamtes untermauert: Rund 27 % der Absolventen mit allgemeinbildendem Abschluss verließen die beruflichen Gymnasien oder Berufsoberschulen im Jahr 2007 mit dem Abitur in der Tasche, weitere 33 % erhielten die Fachhochschulreife. Knapp ein Drittel der fast 42 800 Abiturienten des Landes hatte im Jahr 2007 eine berufliche Schule besucht. Mit 12 700 Absolventen erwarb bei Weitem die Mehrzahl von ihnen die allgemeine Hochschulreife an einem beruflichen Gymnasium. StS

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus "Das Pfinztal"

 

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