Bundestagswahlen in der Grötzinger Schule
Bildungsrepublik, Steuersenkung und superlustige Parteien
Eine Jugend ohne politische Bildung? Wahlverdrossenheit? Kein Interesse an Parteiprogrammen? - Nicht an der Grötzinger Schule!
Schon vor der Bundestagswahl befassten sich die Schüler der Klasse 9 der GHS detailliert mit der politischen Landschaft während des deutschen Superwahljahres 2009. Klassenlehrerin Frau Bloch hatte ganz unterschiedliche Themen und Aufgaben angeboten, die von den Jugendlichen meist mit Ernst, Eifer und ein wenig Fantasie in Arbeit genommen wurden.
Eine Schülerin wollte wählen gehen, denn da habe sie die Möglichkeit in der Gesellschaft Einfluss zu nehmen: „Dadurch, dass ich meine Stimme abgebe, habe ich eine Chance, die Themen, die für mich und andere wichtig sind zu unterstützen. Auch wähle ich die Person, die bessere Argumente für mich liefert." Ein anderer Schüler blieb dagegen skeptisch: „...Trotzdem finde ich, dass wählen gehen nichts verändert. Die Parteien versprechen immer sehr viel, aber man sieht keine Wirkung. Außerdem gibt es zu viele Wähler, auf meine Stimme kommt es doch nicht darauf an!" Ihm wurde von einer Klassenkameradin widersprochen, wenn auch parteineutral zum Aussuchen: „Ich bin der Meinung, dass man wählen gehen sollte, auch schon mit 18 Jahren kann man dazu beitragen, dass sich Bildung, Gesundheit und andere Dinge je nach Partei verbessern!"
Mit dem inzwischen erfolgten Wahlgang ist das zentrale politische Ereignis des Jahres fast vorüber, Koalitionsverhandlungen und Neuaufstellungen in den Parteien sorgen aber für weitere Spannung. Frau Bloch und ihre Neuntklässler bleiben also am Ball und versuchen, sich in die unterschiedlichen Stimmungslagen der Politiker zu versetzen:
„Ich fühle mich traurig und erniedrigt. Diese Wahl war echt anstrengend und ich glaube, dass jetzt jeder froh ist, dass alles vorbei ist", fängt eine Schülerin die Gedanken Frank-Walter Steinmeiers ein. Der würde sich jetzt am liebsten etwas Zeit für seine Familie nehmen, aber seine Arbeit ruft ihn, denn: „Dadurch, dass ich diese Wahl verloren habe, bin ich unsicher, ob die Leute mich überhaupt noch sehen wollen. ... Ich hätte gerne so viel verändert!" , bedauert der gewesene Kanzlerkandidat der SPD in der Vorstellung der Grötzinger Schülerin und sinniert über Gleichstellung der Frauen, neue Energien und Atomkraft. Steinmeier hat das volle Mitgefühl der Autorin, wenn sie ihn diesen „Monolog" sprechen lässt: „ Es ist echt hart, wenn man eine Niederlage einstecken muss. Ich denke, was wir alle brauchen, ist Zeit. Mal sehen, was mir die Zukunft bringt!"
Ganz anders gibt sich in der Grötzinger Schule die Wahlsiegerin Angela Merkel. Im erfundenen Selbstgespräch meint ein Schüler, auch die Kanzlerin sei froh, die Wahlen endlich hinter sich gebracht zu haben, aber vor allem auch darüber, dass sie nicht „mit leeren Händen da steht, sondern dass ich triumphiert habe und weiterhin die Möglichkeit habe, etwas für die Verbesserung von Deutschland zu tun. Dieses Gefühl, dieser Gedanke macht mich stolz!", sagt die fiktive Bundeskanzlerin und ergänzt bei einer anderen Schülerin sehr nachdrücklich: „Jaaaa, ich habe gewonnen. Endlich ist es passiert, ich habe die Antwort bekommen, die ich wollte... Ich fühle mich so stark, so mächtig!"
Die erfundene Grötzinger Bundeskanzlerin der neunten Klasse möchte sich in einer Rede bei ihren Wählern „gerne herzlich bedanken", und empfindet es als „überwältigendes Gefühl, wieder gewählt worden zu sein". Zu ihren Zielen sagt sie: „Dass wir zum Beispiel eine schnelle Ausbildung der Sicherheitskräfte in Afghanistan schaffen. Außerdem werden wir zusammen mit der FDP versuchen, dass jeder eine gute medizinische Versorgung bekommen wird!"
Die Grötzinger Schüler teilten per Mail an die ehemaligen Kandidaten mit: „Ich hoffe, dass Sie sich bei der Wahl 2013 wieder aufstellen lassen und wieder für Ihre Ziele kämpfen. Und wenn es dann soweit ist, werde ich Ihnen ganz viel Kraft wünschen und jetzt, für die Zukunft wünsche ich Ihnen ebenfalls ganz viel Glück und Erfolg!" So unterstützte einer Frank-Walter Steinmeier, und ein Mädchen stärkte Angela Merkel den Rücken: „Außerdem finde ich gut, dass Sie 2011 die Steuern senken wollen, da sich viele arme Menschen kaum noch was leisten können und dadurch vielleicht krank werden!"
Im Brief „an einen Österreichischen Freund" erklärten die Grötzinger Jugendlichen den Ausgang der deutschen Wahlen und die Folgen aus ihrer Sicht. „Angela Merkel hat vor, Deutschland zu einer Bildungsrepublik zu machen und die Steuern bis 2011 zu senken", und: „Unsere Kanzlerin will eine Steuerentlastung bis 2011 einführen, denn auch das Volk hat unter der Krise schwer gelitten und dafür zeigt sie Verständnis", oder: „Ihr ist ganz wichtig, dass auf der Straße mehr Sicherheit für Kinder und Jugendliche herrscht", wurde zum Lob für die bisherige und zukünftige Kanzlerin. Eher negativ sahen Schülerinnen und Schüler im Brief die Zukunft mit der Atomenergie: „Mir wäre der Klimaschutz oder die Abschaltung der Atomkraftwerke und Ersetzung durch erneuerbare Energien wichtig gewesen", „was mich sehr traurig macht, ist, dass sie (Merkel) die Atomkraftwerke weiterlaufen lassen möchte und nicht nach einer neuen Energiequelle sucht", „ Außerdem sind Atomkraftwerke sehr gefährlich, wenn z.B. eins explodiert, sterben viele Menschen!"
Einer wählte die Spaßgesellschaft, da von vielen Medien wesentlich besser propagiert, als Demokratie und Politik: „Bei uns waren grad die Bundestagswahlen. Ich habe mich nicht dafür interessiert, aber da waren superlustige Parteien wie z.B. die Piraten und die Rentner!"
Demokratie heißt bekanntlich so viel, wie „Herrschaft des Volkes". Sie bleibt also stets schwierig für die Herrschenden, denn: „Ich glaube nicht, dass sie (die Kanzlerin) alle Ziele umsetzen kann, da ja alle einverstanden sein müssen..." StS

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus "Das Pfinztal"

 

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