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7. Grötzinger Elternabend plädiert für Zuneigung, Lob und gesunde Ernährung
Selbst Fischfutter, wenn es denn zur Leistungssteigerung für Schüler angeboten würde, fände reißenden Absatz, so die leicht makabre Einführung von Rektor Rudolf Karg in den 7. Grötzinger Elternabend. Förderkreis, Elternbeirat und Schulleitung hatten die Veranstaltung mit dem provokativen Titel „Auf Leistung getrimmt" in Partnerschaft mit Kultusministerium, Landes-apothekerkammer und Landesapothekerverband ins Leben gerufen. „Eltern geben ihren Kindern Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente, in der Hoffnung, dass diese so den schulischen Anforderungen besser stand halten können." Dabei sind sie meist ohne Wissen über die tatsächliche Wirksamkeit, den Nutzen, Unsinn oder gar die mögliche Schädlichkeit der Präparate. Sabine Bäumer, Fachapothekerin für Offizinpharmazie, Homöopathie und Naturheilkunde nahm in der Aula Stellung, zu Koffein, Lecithin, Vitaminen und anderen vermeintlichen oder tatsächlichen Unterstützer schulischen Erfolgs.
„Die Werbung spielt mit Ängsten und Hoffnungen der Eltern, welche viel von ihren Kindern erwarten", sagt Sabine Bäumer. Alles soll reibungslos funktionieren in Elternhaus, Kinderzimmer und Schule, spätestens im Endspurt zur Empfehlung für weiterführende Schulen steigt der Druck und jedes schnell verfügbare und empfohlene Mittel zum Fortkommen wird dankbar angenommen. „Da wird dann oft in der Apotheke nach Hilfen gefragt, die den Stress abbauen und die Intelligenz erhöhen". Dabei sind es meist ganz andere Faktoren, welche dem Nachwuchs die beste Unterstützung im Schulalltag bieten. Die Erfahrung von Zuneigung, Lob und Ansporn, gesunde Ernährung, körperliche Bewegung im Freien und altersgemäße und individuelle Förderung sind einige der unerlässlichen Voraussetzungen zu schulischem Erfolg. „Leistungsfähigkeit lässt sich nicht künstlich herbeiführen", Kinder sollten sich die Zuneigung der Eltern nicht nur über ihre Leistungen erkaufen und diese müssen wiederum die Leistungsgrenzen ihrer Kinder erkennen und akzeptieren. Dazu wünschte sich Rektor Karg wohltuende Gelassenheit der Eltern. Nahrungsergänzungsmittel erfüllen ihren Zweck meist nur bei Unter- oder Fehlernährung und ein „Mehr" an Vitaminen bringt keine besseren Noten. Jeden Tag ein gesundes Frühstück vor der Schule, eine Pausenbox mit kleinen Tomaten und knackiger Karotte darin und insgesamt fünf Mal am Tag eine (Kinder-) Hand voll Obst bringen Fitness im Schulstress und stärken das Immunsystem.
Bei leichten Erkrankungen, etwa Kopfschmerz oder Bauchweh, gilt es, erst einmal nachzufragen, was zuletzt vorgefallen sein könnte, denn manche Symptome haben ihren Ursprung in Überforderungen und unbewältigten Alltagserlebnissen. Die Familie ist in vielen Fällen das beste Heilmittel, denn in ihr kann viel aufgefangen werden. Das Kind kann sich in ihrer Geborgenheit erholen und ausruhen. Sanfte Heilungsmethoden, Naturheilmittel und Homöopathie können Heilungsprozesse fördern, ohne zu schaden.
Bei Lese-Rechtschreibschwäche, Aufmerksamkeitsdefizitstörung oder Hyperaktivität kann in einigen Fällen die Gabe von Omega-3-Fettsäuren sinnvoll sein, für gesunde Kinder ist sie aber völlig überflüssig. Ritalin oder Zappelin sind Präparate, die dringend eine Abstimmung mit Ärzten und Psychologen benötigen (Karg). Apothekerin Sabine Bäumer warnt vor Sekt als kreislaufförderndes Mittel: „Völlig unmöglich, schon wegen des Alkohols" und Koffein zur Förderung des Denkvermögens: „Das kann allgemeine Nervosität, Herzrasen und Schlafstörungen verursachen!" Auch Gingko regt die Ströme im Kinderhirn nicht an, es ist, etwa im Zusammenspiel mit Gedächtnistraining, eine Hilfe für Demenz- und Alzheimererkrankte, aber nicht für gesunde Kinder. Rektor Rudolf Karg dankte der Referentin, dass sie „so viele pädagogische Aspekte zum Thema angesprochen" hatte. Der Abend hätte gut unter einem Motto stehen können, welches Hippokrates bereist vor 2400 Jahren in Worte fasste: Nahrung soll euer Heilmittel und Heilmittel eure Nahrung sein! StS
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus „Das Pfinztal“
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