Bisher einzigartig in Karlsruhe
Integrierender Müttersprachkurs an der GHS Grötzingen

Es ist Zeit zum Feiern, drum darf auch der Ortsvorsteher kurz ins Klassenzimmer, obwohl dort eigentlich nur Frauen zugelassen sind: In Grötzingen besteht seit Dezember 2007 der erste vom Förderkreis der GHS Grötzingen organisierte und vom Bundesamt  für Migration und Flüchtlinge (BaMF) finanzierte Müttersprachkurs (Integrationskurs) an einer Schule in Karlsruhe. Soeben wurde die erste Unterrichtseinheit von 100 Stunden abgeschlossen, was für die Vorsitzende des Förderkreises den Anlass gab, zu einem kleinen Fest zu laden. Ellen Sick erklärt dazu: "Ich war derart beeindruckt von den Leistungen aller Beteiligten, ganz besonders von der des federführenden Lehrers Volker Walter, dass mir eine Würdigung dieser Anstrengungen wichtig schien."

Müttersprachkurs

Herr Walter hat das Projekt ins Leben gerufen und bleibt auch weiterhin die treibende Kraft, ohne ihn wäre die Durchführung nicht vorstellbar: „ Bei meiner Arbeit als Kooperationslehrer in den Grötzinger Kindergärten stieß ich immer wieder auf Kinder, die zu Beginn ihrer Kindergartenzeit kein Wort Deutsch sprachen, weil in ihrer Familie nur die Sprache des Herkunftslandes gesprochen wird. Aus meiner langjährigen Erfahrung in Hauptschulen weiß ich, wie oft solche Kinder dort erfolglose Karrieren absolvieren. Daher müssen die Mütter, welche meist die häusliche Erziehung tragen, Deutsch sprechen können."  Auch Rektor Rudolf Karg und Konrektorin Sigrid Köster begrüßen das zukunftsweisende Projekt: „Wenn Mütter (und Väter) nicht in der Lage sind, sich mit uns zu verständigen, zum Beispiel, wenn es ihrem Kind nicht gut geht, betrübt uns das. Hier, in der Schule, haben wir die Verbindungen zu Eltern und Lehrern und stellen daher nicht nur die Räumlichkeiten zur Verfügung. Herr Walter hält ständig Kontakt mit Lehrern und Erzieherinnen, er geht immer wieder zu den Familien, spricht mit Schwiegervätern und Ehemännern, um die Frauen zu motivieren, manchmal um sie zurück zu holen. Eines unserer Anliegen ist auch, dass Mütter und Kinder die Hausaufgaben miteinander besprechen können. So lernt die Mama vom Kind und das Kind von der Mama. Gerade finden Tests zur Einstufung der Deutschkenntnisse für neue Bewerberinnen statt, die bei uns vor Ort ausgewertet werden können. Der „Mütterkurs" kann auch das Sprungbrett zu einem Arbeitsplatz oder sogar Ausbildungsplatz werden."
Die Frauen kommen an drei Nachmittagen in der Woche für drei Stunden zum Deutschlernen zu Svetlana Baglyk in die Grötzinger Schule und können ihre Kinder mitbringen, welche während dieser Zeit von einer Betreuungskraft beschäftigt werden. Einige größere Kinder erhalten parallel dazu sprachliche Förderung. Frauen aus osteuropäischen Ländern, der Türkei, Italien, Afrika und Lateinamerika nehmen am Kurs teil, so wie Mariam aus Nigeria, die ihren Alltag mit besseren Deutschkenntnissen leichter bewältigen möchte: Sie kann den Unterricht nur besuchen, weil er an ihrem Wohnort statt findet. Die Besonderheit und den Erfolg des Grötzinger Sprachkurses unterstrichen bei der kleinen Veranstaltung am Montag Regionalkoordinator Axel Blum vom Bundesamt für Migration und Anita Breitbach, die beim Karlsruher Büro für Integration die Integrationskurse koordiniert. Inzwischen wollen andere Stadtteile von den
Grötzinger Erfahrungen lernen und holen sich bei Herrn Walter jede Menge Informationen. Der weiß, was wichtig ist, um die Integration an der Schule möglich zu machen: „Manche Eltern mühen sich redlich mit der deutschen Sprache, aber oft reicht das einfach nicht. Man muss sie mit ins Boot nehmen, wenn die schulische Bildung gelingen soll!" StS

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus "Das Pfinztal"

 

Pressemitteilung (14.4.2008)

In Grötzingen besteht seit Dezember 2007 der erste vom Föderkreis der GHS-Grötzingen organisierte und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BaMF) finanzierte Müttersprachkurs (Integrationskurs) an einer Schule in Karlsruhe.
Die Frauen kommen an 3 Nachmittagen in der Woche für 3 Stunden zum Deutschlernen und können ihre Kinder mitbringen. Die Kinder werden während dieser Zeit von einer Betreuungskraft beschäftigt und einige größere Kinder werden parallel zusätzlich von einer Fachkraft sprachlich gefördert.
An Nationalitäten haben wir Afrikanerinnen, Frauen aus den osteuropäischen Ländern, aus der Türkei, Italien und aus Lateinamerika.
Der Integrationskurs umfasst inzwischen rund 600-1000 Stunden (je nach Verlängerung) und ist in Module zu je 100 Stunden aufgeteilt.
Da wir in dieser Woche die ersten 100 Std., also das erste Modul abgeschlossen haben werden, hatte die Vorsitzende des Förderkreises die Idee, die Frauen zu einer kleinen Feier einzuladen.
Da wir mit Presseinformationen bisher sehr zurückhaltend waren, ist diese Feier für uns Anlass, die Öffentlichkeit über die örtliche Presse über dieses zukunftsweisende Projekt zu informieren.
Mein Ausgangspunkt als Initiator war meine Arbeit als Kooperationslehrer in den Grötzinger Kindergärten, wo ich immer wieder auf Kinder stieß, die zu Beginn ihrer Kindergartenzeit kein Wort Deutsch sprachen. Der Hintergrund war der, dass Deutsch sprechende türkische Elternteile sich häufig mit Partnern aus der Türkei verheiraten und somit in der Familie nur noch türkisch gesprochen wird. Um die Mütter, die ja meist die Erziehung ihrer Kinder tragen, zu dieser Aufgabe zu befähigen, müssen sie Deutsch können. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Schule ist sonst kaum möglich. Aus meiner langjährigen Erfahrung in Hauptschulen weiß ich, wie oft solche Schüler erfolglose Karrieren an der Hauptschule absolvieren.
Sie sind also gemeinsam mit einem Vertreter des BaMF und dem Büro für Integration der Stadt Karlsruhe, sowie sonstigen Beteiligten eingeladen, am Montag, den 21,4, ab 16.30 Uhr mit uns zu feiern und sich zu informieren.
Rückfragen bitte per mail an mich: volker_walter@web.de oder telefonisch: 451105 (nicht vor 10 Uhr) oder in der Schule: 463083.
Mit freundlichen Grüßen
Volker Walter (Lehrer)

 

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