Einschulung in Grötzingen
Einstieg mit Emanzipation und Evaluation
Herr Haschka teilt das weiß-rot gestreifte Band und macht damit den Weg zur ersten Bildungsbaustelle nach dem Kindergarten frei: 66 Tütenträger nehmen auf den harten Bierbänken in der Aula ihren ersten Platz in der Schule ein und harren gespannt der Dinge, die nun auf sie zukommen. Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel spielen mit Blitzlichtgewitter noch ein wenig „Paparazzo und Paparazza", dann verziehen sie sich und geben ihrem Nachwuchs den Blick auf Schulleiter Rudolf Karg frei. Der leitet den Auftakt weiter an eine musikalische Darbietung am Klavier, bevor er selbst die Begrüßungsworte spricht.
„Wir sind eine Sportschule, auch eine Musikschule, hier gibt es was zu lachen und manchmal fließen Tränen", stellt der Rektor in wenigen Worten den Neulingen die Schule vor.

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„Ein wenig mehr Sonne zum heutigen Tag hätte uns nicht geschadet", bedauert er, aber der Pädagoge weiß auch gleich den Vorzug des kühlen Wetters zu schätzen: „So können wir frisch ans Werk gehen, ohne gleich vor lauter Hitze erschossen zu sein!"
 „Kennt ihr Otfried Preussler?" Da muss Herr Karg nicht lang fragen, denn die ABC-Schützen sind literarisch auf hohem Stand. Sie freuen sich auf die Aufführung der Klassen 2 bis 4, welche von Frau Lodsch, Frau Schmolla, Frau Schubach und Frau Staud mit ganz, ganz vielen Kindern einstudiert wurde. Vor dem beweglichen Bühnenbild Herrn Lungs mit jeder Menge Zirkusansichten tummeln sich der dumme August mit seiner dummen Augustine und deren Kinder samt Hund Moppel, Papagei Lora und Katze Semiramis. Gebannt verfolgen die Erstklässler das Lehrstück einer weiblichen Emanzipation, die erst durch heftige Zahnschmerzen und mit Hilfe einer Monsterspritze durchgesetzt werden kann. Der Sinn der Gleichberechtigung bei Leistung und Bildung wird hier auf vergnügliche Art an Mann, Frau und Kind gebracht. Drei neue Grundschulklassen wurden am Freitag in der GHS eingeschult, eine gute Grundlage für die nächsten vier Jahre, meinte der Schulleiter in seiner Begrüßung. Eine besonders gute Grundlage ganz anderer Art haben Rektor Karg und die GHS Grötzingen nicht nur in den Schulbänken sitzen, sondern mit Brief und Siegel bereits in der Schublade. Mit diesem Schuljahr (2008/09) startet nämlich die „verpflichtende Fremdevaluation". Mit der soll ein neues Kapitel in der Schulkultur unseres Landes beginnen, wie Kultusminister Rau ankündigte, denn durch Expertenteams des Landesinstituts für Schulentwicklung werden Schulen verpflichtend auf den Prüfstand gestellt werden. Dies geschah in Grötzingen bereits im Frühjahr freiwillig und mit hervorragenden Ergebnissen. „Wir sind hoch zufrieden mit der Klassifizierung, die wir nach unserer Bewerbung erhalten haben und entwickeln unsere
Arbeit gemäß der Empfehlungen des Papiers weiter. Das Zusammenwirken von Eigenverantwortung, externer Erfolgskontrolle und gezielter Unterstützung wird die Qualität von Schule und Unterricht weiter verbessert und ist jeder anderen Schule nur zu empfehlen", freut sich Rektor Karg über die hohe Anerkennung von kompetenter Seite.
Für 40 Minuten verschwanden die Grötzinger Katzen-, Panda- und Raupenkinder mit den Klassenlehrerinnen Frau Klee-Axmann, Frau Gutwein-Lohmeyer und Frau Schubach in den neuen Klassenzimmern, bevor sie wieder „freigegeben" wurden. Während dessen konnten sich die großen Bezugspersonen der Kleinen an Kaffee und Kuchen laben, am Stand des Fördervereins T-Shirts, Emil-Flaschen oder Information einholen und ihre eigene Aufregung ein wenig besänftigen, bevor sie mit ganz neuen und echten Schulkindern nach Hause gingen.       StS

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus "Das Pfinztal"

 

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