Der neue Schulgarten

Ringelblumenblütenblätterbrötchen und Bohnentipi

Ohne viel Aufhebens ist neben dem Schulhof ein prächtiges Schaustück der Gartenkultur erwachsen: Der Schulgarten ist in ganz neuer Pracht entstanden und zeigt jetzt sein stolzes sommerliches Gesicht. Knackige Kirschen werden bereits  geerntet, die Weintrauben vor der Sandsteinmauer mit Südblick sind schon ganz schön prall und Löwenmäulchen,  gelber Mohn und Felberich malen bunte Tupfen neben Beerenhochstämmchen,  Beeten mit Kohlrabi, Zwiebeln, dicken Erdbeeren und Tomatenpflanzen. Es gibt sogar ein Tipi, das Gerüst für ein rundes Zelt, aber nicht für Squaws und Indianer, sondern für Feuerbohnen, welche eben gerade beginnen, tüchtig nach oben zu ranken.
Besonders dekorativ schmücken von der sechsten Klasse mit Herrn Lung getöpferte Pflanzenstecker die Beete mit Pfefferminze, Apfelminze, Rosmarin, Ruccola und Kürbis. Immer Dienstagnachmittags tummeln sich 12 fleißige Schülerinnen und Schüler, bauen Hochbeete, Komposthaufen, Reisighaufen und graben, jäten, setzen, kratzen Fugen und pflegen um die Wette. Sie düngen mit dem selbst hergestellten Kompost und tragen stolz ihren Anteil an geerntetem Obst und Gemüse nach Hause.
Auffällig sind viele gelbe Ringelblumen im Schulgarten, denn die Leiterin der AG, Naturpädagogin Waltraud Frey hat zusammen mit den zweiten Klassen von Frau Schmolla und Frau Porzelt ein „Ringelblumenprojekt“ ins Leben gerufen. Von der Aussaat übers Pikieren, Wachsen und Ernten bis zur Verwendung wird die „Calendula officinalis“ von den jungen Naturforschern genauestens beobachtet. Dies dient sogar der Sprachförderung, denn „Ringelblumenblütenblättertee“ oder gar „Ringelblumen-blütenblätterbrötchen“ muss man nicht nur zubereiten, sondern auch aussprechen können!
Neben den Pflanzen kultivieren die Gartenbauer an der Grötzinger Schule auch tierische Nützlinge. Den Ohrenzwickern haben sie behagliche Heime in Blumentöpfen an Äste gehängt und konnten so gleich in der Praxis feststellen, dass diese Insekten das Heer der gefräßigen Läuse im Garten ganz gut in Grenzen halten. Für gefiederte Freunde stehen Nistkästen und Nisthilfen zur Verfügung und ein Wildbienenstock sorgt fürs Bestäuben. Ein Berg aus roten Sandsteinen ist nicht nur hübsche Dekoration, sondern er bietet wärmeliebenden Eidechsen einen Ort zum Sonnenbaden und molligen Unterschlupf.
Nachdem der Schulgarten für einige Zeit in ziemlich unansehnlichem Dornröschenschlaf gelegen hatte, startete er zu neuer Blüte ab dem Jahr 2005, als eine Arbeitsgemeinschaft unter der Leitung von Frau Dr. Wenigwieser die Bearbeitung der kleinen Schullandwirtschaft in Angriff nahm. Bis zum vergangenen Sommer war so bereits ein anschaulicher Garten entstanden, der die bewundernden Blicke der Nachbarn und so manchen Passanten im Schulhof auf sich zog.
Frau Dr. Wenigwieser musste sich wegen Umzugs leider von Grötzingen verabschieden, daher ist nun die Naturpädagogin Frau Waltraud Frey Leiterin des Projekts, ihr zur Seite steht Herr Paffrath, der 30 Jahre Gartenbaulehrer an der Freien Waldorfschule war. „Herr Paffrath ist ein wahrer Glücksgriff für unseren Garten und die Arbeitsgemeinschaft“, sagt Frau Frey, „denn sein Wissen und sein Eifer sind schier unerschöpflich. Aber auch die Unterstützung durch Frau Guttenbacher und ihr Team vom Grötzinger Bauhof wissen wir sehr zu schätzen. Der Hausmeister der Schule, Herr Haschka, hilft, wo er kann und Herr Lung hat viel zur Gestaltung beigetragen“. Besonders schön findet Frau Frey, dass inzwischen Schulklassen den Garten zu kleinen Feiern und Ergänzungen zum Unterricht nutzen, denn: „Damit lebt er!“
Frau Frey selbst erscheint während der heißen und trockenen Zeit täglich im Garten, um zu gießen oder nach dem Rechten zu sehen, denn „Zwei Schulstunden in der Woche sind einfach zu wenig, um einen Garten in Schuss zu halten“. Mit viel Herz, Sachverstand und Liebe zu ihren menschlichen und pflanzlichen Zöglingen widmet sie sich dem Schulgarten. Den Mädchen und Jungen merkt man es an: Begeistert erklären Jana und Katharina, wie man Holunderflöten herstellt, Marie-Sophie und Felix sind Feuer und Flamme in ihrer neuen Gartenbaugruppe, Nina und Lisa zeigen die Unterschiede zwischen Roggen und Weizen und alle miteinander, auch Frau Lung, genießen in einer Pause den Johannisbeerkuchen von Frau Frey unterm schattenspendenden Kirschbaum. Nur Tim hätte die kleine Rast fast verpasst, so andächtig versunken war er in seine gärtnerischen Tätigkeiten...
StS

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus „Das Pfinztal“

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