Leseförderprojekt "Eine Schule liest einen Autor"
Das Lesenlernen und Lesenüben ist etwas, das tagtäglich in der Schule passiert. Ziel unserer Aktion aber ist darüber hinaus das „literarische Leben“ in der Schule ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken: für die Kinder, für die Eltern und für das ganze Kollegium der Schule. Vielfach droht „Lesen“ heute nur unter dem Aspekt der Informationsentnahme aus Texten gesehen zu werden. Und wo in der Schule mit literarischen Texten gearbeitet wird, sind es oft kürzere Geschichten oder Gedichte, die in einzelnen Stunden gelesen und erarbeitet werden können. Für die Lektüre „ganzer Bücher“ droht kein Raum mehr zu bleiben, weil dies mehr Zeit erfordert.
Aus diesen Überlegungen heraus wurde bei uns die Aktion „Eine Schule liest eine Autorin/einen Autor“ geboren. Für den überschaubaren Zeitraum von einigen Wochen vor oder nach dem Welttag des Buches sollen die Werke eines Kinder- und Jugendbuchautors in den Klassen gelesen werden. Die Teilnahme ist den Deutschlehrern der Klassen freigestellt: Wer mit seiner Klasse mitmachen möchte, kann das tun, wer aus welchen Gründen auch immer nicht teilnehmen mag (Zeitprobleme, andere Interessen- und Arbeitsschwerpunkte in der Klasse, Probleme einen geeigneten Text des Autors zu finden), darf verzichten. Die Aktion fand aber in den vergangenen Jahren stets eine sehr große Resonanz, ca. 80 % der Klassen beteiligten sich.
Wichtig war uns auch, jedem Lehrer freie Hand bei der Auswahl der Texte zu lassen. Wer weniger Zeit hatte, konnte sich mit kurzen Texten beschäftigen, wer in seinem Deutschunterricht ganze Kinderbücher lesen wollte, konnte das in seiner Klasse mit dem nötigen Zeitbudget tun.
Zentral war bei allen Planungen der Aktion, dass es eine Klammer, ein Bindeglied zwischen den vielfältigen Arbeiten in den Klassen geben sollte: Deshalb - eine Autorin/ ein Autor.
So beginnt für das Kollegium die Aktion stets gleich nach den Sommerferien mit der Auswahl des Autors oder der Autorin für das nächste Jahr. Wenn klar ist, um wen es im nächsten Frühjahr gehen soll, beginnt die Auswahl der einzelnen Texte mit der Lektüre der Lehrer. Die Ortsbücherei im Schulgebäude hilft bei der Beschaffung der Bücher. Die Verlage werden um Infomaterial gebeten.
Ein besonderer Glücksfall war für uns im Jahr 2006, dass in Kooperation mit der Ortsbücherei „unsere Autorin“ Kirsten Boie zu einer Lesung in der Schule eingeladen werden konnte. Es ist aber ansonsten nicht unser Ziel, stets einen „großen Namen“ nur für eine Lesung ins Haus zu holen, sondern viele, viele „kleine“ Leser für unsere jeweiligen „großen“ Autor zu gewinnen. Diese Aufgabe übernehmen dann die Lehrerinnen und Lehrer in den Klassen mit der Lektüre der kurzen oder langen Texte. Mal schlägt der Lehrer das Buch des Autors vor, das ihm am besten gefällt, mal werden die Kinder an der Auswahl der Texte beteiligt. Mal spricht man sich auf einer Klassenstufe ab und entscheidet sich bewusst für dasselbe Buch, mal wählt man verschiedene Texte, um sie sich gegenseitig vorstellen zu können.
Seit 2004 gibt es jedes Jahr eine solche Aktion:
2004 Cornelia Funke
2005 Paul Maar
2006 Kirsten Boie
2007 James Krüss
Höhepunkt für das „literarische Leben“ in der Schule war jeweils die Abschlusspräsentation in der Aula, in der die Klassen vor allen Schülern und interessierten Eltern ihre Projektarbeitsergebnisse vorstellten: Von Wandzeitungen über Hörspielbearbeitungen bis zu Spielszenen.
Neu hinzu kam im Jahr 2007 eine Auftaktveranstaltung in der Aula, bei der für alle beteiligten Klassen der Autor (James Krüss) vorgestellt wurde: Eine Klasse hatte vorgearbeitet, Spielszenen, Musik und Gedichte wurden vorgetragen. Dies fand große Resonanz und so soll es im nächsten Jahr wieder eine solche Veranstaltung geben.
Dass die Leseaktion ihre eigene Dynamik entwickelt, ist auch daran zu erkennen, dass je nach Autor und Lektüreerfahrungen weitere Aktionen ins Projekt integriert wurden: Nach der Lektüre von Kirsten Boie „Geburtstag im Möwenweg“ veranstalteten die 2. Klassen einen in diesem Buch beschriebenen Spendenlauf zugunsten von Kindern in Not. Und der Lyriker James Krüss wurde mit seinen vielen gereimten Tiergedichten zum Anreger für einen Gedichtwettbewerb der Schüler.
Einzelne Klassen veranstalten in Verbindung mit der Leseaktion auch eine Lesenacht.
Wichtig war uns stets auch die Einbeziehung der Eltern. Deshalb findet in diesen Aktionswochen immer auch ein Leseelternabend statt, bei dem ein Buchhändler in der Schule über die lieferbaren Bücher des Autors berichtet und über Neuerscheinungen der Kinder- und Jugendbuchverlage informiert.
Auch die Kooperation mit der Stadtbibliothek hat sich in den vergangenen Jahren intensiviert. Die Ortsbücherei (Zweigstelle Grötzingen) im Gebäude der Schule wird sehr häufig von Lehrern, Schülern und Eltern der Schule besucht. Die Bibliothekarin beschafft zusätzliche Exemplare von Büchern unserer Autoren aus anderen Zweigstellen und berichtet regelmäßig, von vermehrten Nachfragen nach Büchern der behandelten Autoren auch über den Aktionszeitraum hinaus. Außerdem ist in der Schule zu bemerken, dass neben dem Interesse an den einzelnen Texten und Büchern auch der Name und die Person des Autors bei den Schülerinnen und Schülern Interesse findet. Häufig hört man bei der Lektüre im „klassischen“ Lesebuch dann: „Da steht auch etwas von James Krüss/Kirsten Boie etc. drin!“ Beim Besuch der Klassen in der Bibliothek fallen den Schülern Bücher der behandelten Autoren auf.
Für das Jahr 2008 sind die Vorbereitungen für die neue Aktion „Eine Schule liest eine Autorin“ schon voll im Gange. Es wird um Astrid Lindgren gehen, deren 101. Geburtstag wir so würdigen wollen.
Verantwortliche Lehrerinnen und Lehrer:
Joachim Krey Sandra Gutwein-Lohmeyer