Todsicherer Einkaufsweg
Die Bundespolizei warnt Grötzinger Schüler
Seit geraumer Zeit wird immer wieder beobachtetet, wie zwischen dem Ende der Kampmannstraße und dem Einkaufszentrum in der Eisenbahnstraße die Bahngleise illegal und höchst riskant überquert werden. „Als an uns herangetragen wurde, dass wiederholt Schüler, darunter auch Grundschüler, diese lebensgefährliche Abkürzung nehmen, wollte ich es nicht mehr verantworten, hier untätig zu bleiben und suchte nach Partnern im Kampf gegen diesen groben Unfug", sagt Rektor Rudolf Karg. Bei der Bundespolizeiinspektion in der Moltkestraße konnte er PHM Andreas Haßmann gewinnen, der nun an einigen Tagen in der Grötzinger Schule Aufklärung in dieser brisanten Sache betreibt. Der Bürgerkontaktbeamte weist während seiner Präventionsarbeit sehr nachdrücklich darauf hin, welche enormen Bedrohungen nicht nur für Leib und Leben, sondern auch für den elterlichen Geldbeutel oben beschriebene oder andere Übeltaten in der Begegnung mit dem Zugverkehr nach sich ziehen können. Er stellt technische, strafrechtliche und andere rechtliche Gegebenheiten klar, derer die Schüler sich möglicherweise nicht bewusst sind:
Bei der Geschwindigkeit eines Zuges von 100 Stundenkilometern beträgt dessen Bremsweg einen ganzen Kilometer (beim Auto ist es ca. die Hälfte des Tachostandes, also: 100 km/h = 50 m), und ein ICE, welcher 300 Stundenkilometer fährt, braucht dem entsprechend drei Kilometer, bis er zum Halten kommt!
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Die Gleisbette sind mit spitzem, scharfkantigen Schotter bedeckt, welcher schnell zum Ausrutschen führen kann und obendrein beim Stürzen Verletzungen hervorruft. Das verbotene Überqueren der Gleise gilt als gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr und zieht für Schüler eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft nach sich. Da können schon mal 10.000 Euro Strafe anfallen, die von den Eltern bezahlt werden müssen. Hat die Bahn durch eine solche dreiste Aktion Ausfälle erlitten, so ist sie über 30 Jahre lang berechtigt, den Schadensersatz hierfür, der schnell in die Millionen gehen kann, einzuziehen.
Der eigentliche Hintergrund für die brandgefährliche Situation zwischen Kampmann- und Eisenbahnstraße ist die lang geplante, versprochene und immer wieder verschobene Erstellung eines Ersatzes für den „Eselsdohl", der dort einst unter und über den Schienen auf die andere Seite führte. In Erwartung eines baldigen Baubeginns sicherte man keine der beiden Trassenseiten auf dem Grund der Bahn. Dann eröffneten im ehemaligen Herrmann-Gelände zwei Supermärkte und die Verlockung zum Einkauf auf kürzestem Wege stieg anscheinend enorm. Von Seiten der Ortsverwaltung wurde mehrfach ein einfacher Zaun errichtet, der allerdings immer wieder heruntergetreten wurde. Bereits vor zweieinhalb Jahren wies Jutta Leyendecker im „Durlacher Blatt" auf die Missstände hin und vertraute auf die Aussage, das noch im gleichen Jahr mit dem Bau des Ersatzes für den Eselsdohl begonnen werde, denn die Planung stehe und sei genehmigt und die Mittel bereit gestellt. Das war 2005. In der Ortschaftsratssitzung vom Juli 2007 mussten frustrierte Grötzinger Ortschaftsräte zur Kenntnis nehmen, dass der Bau der beschlossenen Brücke mit weiträumigen Rampen durch Verzögerungen nun nicht mehr finanzierbar sei. Wiederum wurde die Planung geändert und nach neuer Ausschreibung rechnet man nun mit dem Baubeginn im nächsten Frühjahr, mit der Fertigstellung im Jahr 2009.
Es ist sicherlich noch in böser Erinnerung, dass während der Errichtung der Überführung in der Oberausstraße eine Grötzinger Schülerin auf den Bahngleisen ums Leben kam. Die Wiederholung eines solchen Falles in der Kampmannstraße wäre fatal.
Eines machte Polizeihauptmeister Haßmann den Schülern in
Grötzingen ganz klar: Jeder Läufer über verbotene Gleise
sollte namentlich gemeldet werden! Dies ist kein Verpetzen
eines Dummejungenstreiches, sondern kann durchaus zur
Abwendung eines größeren Unglücks dienen! StS
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus "Das Pfinztal" 11.10.2007 |
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