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Grötzingen
Aus der Geschichte Grötzingens
Grötzingen
Grötzingen ist seit 1974 östlichster Stadtteil von Karlsruhe und hat derzeit knapp 10000 Einwohner.Die Grötzinger Schule ist leicht erreichbar durch Busverbindung 21 (Durlach-Grötzingen) und dieStadtbahnverbindungen S 4 (Karlsruhe-Heilbronn) und
S 5 (Karlsruhe-Pforzheim). Grötzingen behielt nach der Eingemeindung seine eigene Ortsverwaltung - diese kümmert sich intensiv und erfolgreich mit hohen Investitionen und hohem Sachverstand um den Erhalt der Gebäude.
| Öffentliche Einrichtungen |
| Stadtteilbibliothek |
Tel. 46 30 19 |
Grund- und Hauptschule, Eingang Staigstraße |
| Hallenbad |
Tel. 46 33 84 |
Augustenburg-Kirchstraße |
| Emil-Arheit-Halle |
Tel. 48 25 07 |
Bruchwald Str. 72 (Belegung durch die Ortsverwaltung) |
| Begegnungsstätte |
Tel.9 48 51-51 |
Niddastraße 9 (Belegung durch die Ortsverwaltung) |
| Städt. Kindergarten |
Tel. 48 23 35 |
Obere Setz 1 a |
| Jugendtreff |
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Eisenbahnstraße 34 |
| Freiwillige Feuerwehr |
Tel. 48 14 12 |
Gerätehaus Laubplatz 4 |
| Sporthalle |
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Erreichbar über die Schule bzw. die Ortsverwaltung |

| Aus der Geschichte Grötzingens |
| Aus zwei Siedlungspunkten der Alemannen (rechts der Pfinz im 4. Jahrhundert) und der Franken (links der Pfinz im 7. Jahrhundert) entstand das nach dem Sippenältesten Grezzo benannte Dorf Grötzingen, das im Jahre 991 als Besitztum des Klosters Weißenburg erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die aus den fränkischen Verwaltern hervorgegangenen Grafen von Grötzingen dehnten ihre Macht über den Pfinzgau aus und verlegten ihren Herrensitz auf die auf dem Turmberg erbaute Burg Grötzingen. Nach ihrem Aussterben wurden die Herren von Roßwag ihre Nachfolger. Im Jahre 1272 erwarb Markgraf Rudolf I. von Baden Burg und Dorf mit allem Zubehör. Aus dem ehemaligen Klosterbesitzes entwickelte sich das in vier Viertel geteilte Haufendorf zu einer aufblühenden Gemeinde, deren Bauern der Sage nach mit silbernen Pflügen ackern konnten. |
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1556 hielt die Reformation in Grötzingen Einzug und 1563 wurde das Mortuarium (Abgabe des besten Stück Viehs an den Grundherrn beim Tode des Bauern) abgeschafft. 1583 erfolgte der Bau des Rathauses, das 1668 seine heutige Gestalt erhielt.
Nach schwerer Heimsuchung durch Pest und Dreißigjährigen Krieg war die Zahl der Bürger von 171 auf 28 gesunken. Die verbliebene Bevölkerung war verarmt und die wirtschaftliche Entwicklung um Jahrzehnte zurückgeworfen. 1689 wurde das Dorf im Pfälzischen Erbfolgekrieg verwüstet und teilweise niedergebrannt. 1698 machte Markgraf Friedrich Magnus das Grötzinger Schloss vorübergehend, bis die zerstörte Karlsburg in Durlach wieder aufgebaut war, zum Wohnsitz. Seine Gattin Augusta Maria ließ das Schloss zu seiner heutigen Gestalt ausbauen; seitdem heißt es nach ihr „Augustenburg“.
In den Jahren1698-1715 wurde in den Grötzinger Steinbrüchen der Buntsandstein für den Wiederaufbau Durlachs und die Errichtung Karlsruhes gebrochen. |
Das durch Zuwanderung im Jahre 1762 wieder auf 1060 Seelen angewachsene Dorf lebte von Viehzucht, Feld- und Weinanbau. Durch die rasche Bevölkerungszunahme hatte man bei der bequemen Weidewirtschaft zu wenig Ackerland und Wald. Amtliche Verbesserungsvorschläge brachten 1770 das Marktrecht, die Fruchtwechselwirtschaft, die Aufhebung der Weide und die Einführung der Stallfütterung.
1798 weihte die jüdische Gemeinde ihre Synagoge ein, die auch die Durlacher Juden besuchten.
1839 musste das Dorf für die Zehntablösung 24.987 Gulden zahlen. Aufgrund der wirtschaftlichen Not wanderten in den folgenden Jahren viele Einwohner aus.
Im März 1848 kam es zu Gewalttätigkeiten gegen die Juden, die auf ihr Bürgerrecht verzichten mussten. Während der Revolution hatte das Dorf 1849 eine Bürgerwehr, die sich jedoch an den Kämpfen nicht beteiligte. Im gleichen Jahr wurde Grötzingen von preußischen Truppen besetzt. |
Nach langen wirtschaftlichen Not-, Hunger- und Revolutionsjahren boten schließlich der vermehrte Hanf- und Flachsanbau, der Neuanbau von Tabak, die Erschließung von Sandsteinbrüchen und das aus einer Dorfschmiede hervorgegangene Eisenwerk beim Bahnbau nach Pforzheim und Bretten neue Verdienstmöglichkeiten. 1859 wurde die Bahnlinie Durlach – Wilferdingen eröffnet und 1868 erfolgte die Gründung der ersten Grötzinger Privatsparkasse.
Weit über die Grenzen der engeren Heimat bekannt wurde Grötzingen nach 1888 durch die Ansiedlung einiger Maler (Friedrich Kallmorgen, Otto und Jenny Fikentscher, Gustav Kampmann u.a.) der nahen Kunstschule Karlsruhe im Schloss Augustenburg, durch deren Wirken das Dorf den Ehrentitel „Badisches Malerdorf“ erwarb. Für sie war das altertümliche Bauerndorf mit seinen krummen und holperigen Gassen, den aus heimischem Sandstein ausgeführten Bauernhäusern mit Fachwerk, den malerischen Winkeln, den mit reicher Steinhauerarbeit geschmückten Torbogen, Brücken und Wehren ein bedeutender Anziehungspunkt.
Das rasche Wachstum in der Nähe der Großstadt Karlsruhe und die günstige Bahn- und Verkehrslage brachten in der Folgezeit für das Dorf eine Umwälzung von einem seit Jahrhunderten fast unveränderten Bauerndorf zu einer großen Industrie- und Vorortwohngemeinde. So eröffnete 1890 in Grötzingen das Zweigwerk der Karlsruher Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik („Patron“), die im Jahre 1900 240 Arbeiter beschäftigt. 1914 hatte das Grötzinger Eisenwerk 380 Arbeiter. |
Zu dem vergrößerten Eisenwerk gesellten sich die Filiale der Karlsruher Industriewerke und zahlreiche Niederlassungen kaufmännischer und gewerblicher Betriebe, so dass das Dorf, das 1870 noch 2000 Einwohner zählte, um die Jahrhundertwende auf 4000 Bürger angewachsen war. 1910 erfolgte der Anschluss Grötzingens an das Durlacher Gas- und Wasserwerk.
Die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung nahm dem Dorf auch seinen einheitlich konfessionellen Charakter. 1931 konnte die katholische Gemeinde für ihre damals 1100 Seelen ihre neue Rundkirche, die Heilig-Kreuz-Kirche, einweihen.
Ab 1930 nahm die Arbeitslosigkeit auch in Grötzingen zu. Die Gemeinde ließ in Notstandsarbeiten einige Straßen kanalisieren und das Rathaus renovieren. Zur Behebung des Wohnungsmangels wurde das Gasthaus „Bären“ zum Wohnhaus umgebaut. Im Mai 1931 erfolgte die letzte große Überschwemmung des Dorfes durch die Pfinz. |
1933 wurden der bisherige Bürgermeister abgesetzt und die Arbeitervereine „Bahnfrei“, „Liederkranz“ sowie der „Musikverein“ aufgelöst. Am 10. November 1938 zerstörten Nationalsozialisten die Grötzinger Synagoge. 1940 wurden die 21 noch in Grötzingen lebenden Juden nach Gurs deportiert. Am 24./25. April 1944 wurde das Dorf bei einem großen Luftangriff zu 24 Prozent zerstört und im April 1945 durch die Franzosen besetzt.
In den folgenden Jahren kamen immer mehr Flüchtlinge und Vertriebene nach Grötzingen. Bis 1950 wuchs die Zahl der Einwohner von 4.232 im Jahre 1939 auf 5.255.
In der durch den Zweiten Weltkrieg stark geschädigten Gemeinde wurde durch Bevölkerungszuwachs, Kriegsschäden und Pfinzkorrektion viel Malerisches überdeckt. Doch die Gemeinde blieb nicht untätig. Heute geben der in der Ortsmitte vergrößerte und mit dem Kannentorbogen geschmückte Niddaplatz mit der Methodistenkapelle, Post- und Sparkassengebäude, der neu entstandene Rathausplatz mit der Begegnungsstätte, das
Feuerwehrgerätehaus und die zahlreichen Um- und Neubauten Grötzingen ein neues Gepräge. |
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Das zum 300jährigen Geburtstag erneuerte Rathaus mit prächtigem Fachwerk und Gemälden der Malerkolonie, die zur 700-Jahr-Feier erneuerte evangelische Kirche mit ihrem wertvollen Kruzifix und das neue Schulhaus auf dem alten Friedhof können sich ebenbürtig den noch erhaltenen, alten Winkeln des Malerdorfes zur Seite stellen. Altes und Neues sind zu schöner Gemeinsamkeit verschmolzen. Um den alten Dorfkern sind in der Talaue gegen Berghausen, am hochgelegenen Nordhang des Ringelbergs, am Südhang des Lichtenbergs und in Grötzingen-Nord neue Ortsteile entstanden. Erhalten geblieben ist die von den Vorfahren und Malern übernommene Aufgeschlossenheit seiner angestammten Bewohner und einer verständnisvollen Verwaltung für Kunst, Kultur- und Heimatpflege. Das dörfliche Gemeinschaftsleben mit seinem ausgeprägten familiären und geselligen Vereinsleben und die Mundart der Hottschecken werden dem neuzeitlich gestalteten Ort trotz des starken Fremdenzuwachses seinen eigenen, bodenständigen und dörflichen Charakter erhalten. |
| 1974 wurde Grötzingen mit seinen heute rund 9500 Einwohnern in die Stadt Karlsruhe integriert und feierte im Jahre 1991 sein 1000-jähriges Bestehen. Das blumengeschmückte Dorf hat sich als Stadtteil von Karlsruhe zur Wohnsiedlung mit schönen Villen und gepflegten Gärten in grüner Hanglage gewandelt. Die frühere Gemeinde Grötzingen wurde für ihre Bemühungen auf dem Sektor der Ortsverschönerung in vergangener Zeit mehrmals ausgezeichnet. Trotz des Betriebes der Großstadt wird sich Grötzingen auch weiterhin seine „ländliche Idylle“ erhalten. |
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