Der Ablauf des Übergangs- und Aufnahmeverfahrens
Weitere Informationen zum Übergangs- und Aufnahmeverfahren
Übergang auf weiterführende Schulen - Einschätzung durch die Eltern

Der Ablauf des Übergangs- und Aufnahmeverfahrens 

1. Informationsveranstaltungen

Zeitraum: Ende 1. Schulhalbjahr
Der Schulleiter beruft ein und leitet. Einzuladen ist jeweils ein Leiter einer Hauptschule, einer Realschule, eines Gymnasiums, einer beruflichen Schule und der/die Elternbeiratsvorsitzende der Grundschule. Der Beratungslehrer kann teilnehmen, Klassenlehrer nimmt teil.

2. Elterngespräche

Zeitraum: ab Halbjahresinformation.
Informationsgespräche der Klassenlehrer/innen mit den Erziehungsberechtigten über die jeweils beabsichtigte Schullaufbahnwahl.

3. Grundschulempfehlung

Sie berücksichtigt die Schulleistungen und die Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes. Sie wird von der Klassenkonferenz unter Vorsitz des Schulleiters erarbeitet und geht 2-fach an die Eltern. Als Grundlage dient das Anmeldezeugnis: Deutsch und Mathematik werden bis auf eine Dezimalstelle berechnet; sonst ganze Noten. In die Überlegungen werden einbezogen:

a) Art und Ausprägung der Leistungen und Durchschnitt D / M:
- mind. 2,5 HS, RS, GY
- mind. 3,0 HS, RS
- unter 3,0 HS
- und voraussichtlich den Anforderungen gewachsen.
Bei Fehlen dieser Notenvoraussetzungen: Die einfache Mehrheit der Klassenkonferenz kann ausnahmsweise für Gymnasium bzw. Realschule empfehlen, wenn Lern- und Arbeitsverhalten sowie bisherige Entwicklung „in besonderer Weise“ erwarten lassen, dass der Schüler den Anforderungen der entsprechenden Schulart gewachsen sein wird.
b) Das Lern- und Arbeitsverhalten
c) Die bisherige Entwicklung

4. Beratungsverfahren / Gemeinsame Bildungsempfehlung

Wenn die Grundschulempfehlung nicht mit dem Elternwunsch übereinstimmt, können die Eltern die Erstellung einer Beratungslehrerempfehlung beantragen.
Er führt Testverfahren durch, die recht gut Aufschluss über Begabungsfaktoren geben können. Er bespricht mit ihnen (individuell) die Ergebnisse des Tests. Danach werden seine und die Grundschulempfehlung durch die Klassenkonferenz mit dem Beratungslehrer, der das besondere Beratungsverfahren durchgeführt hat, in die Gemeinsame Bildungsempfehlung eingearbeitet.

5. Aufnahmeprüfung

a) Eltern können ihr Kind auch unmittelbar an einer Aufnahmeprüfung teilnehmen lassen, wenn sie mit der Grundschulempfehlung nicht einverstanden sind.
b) Folgen die Eltern nach neuerlicher Beratung der Gemeinsamen Bildungsempfehlung nicht, dann müssen sich die Schüler einer Aufnahmeprüfung an einer Grundschule unterziehen. Erforderlicher Durchschnitt der schriftlichen und mündlichen Prüfung in den Fächern Deutsch und Mathematik für die Realschule mind. 3,0 und in jedem dieser Fächer mind. 4,0; für das Gymnasium mind. 2,5.

Weitere Informationen zum Übergangs- und Aufnahmeverfahren 

Liebe Mütter und Väter unserer Viertklässler,
für die meisten von Ihnen ist schon seit einiger Zeit klar, in welche weiterführende Schule Ihr Kind nach der vierten Klasse überwechseln soll: In die Hauptschule oder in die Realschule oder in das Gymnasium. Dennoch gibt es auf dem Weg dahin noch einige Stationen, die ich Ihnen mit diesem Informationstext aufzeigen möchte.
Mit herzlichen Grüßen
Rudolf Karg, Rektor

Es geht nicht nur um Intelligenz...

Worauf es ankommt

Es gibt eine ganze Menge von Einflüssen, die darüber entscheiden, ob ein Kind Erfolg an einer Schule hat oder „hängen bleibt“. Und alle diese Faktoren wollen berücksichtigt sein, wenn Entscheidungen über die Schullaufbahn anstehen.
Dazu gebe ich Ihnen den folgenden Fragenkatalog:

Allgemeines Lernverhalten

  • Wie schnell und genau fasst das Kind neue Sachverhalte auf?
  • Wie genau kann es Dinge betrachten und miteinander vergleichen?
  • Wie gut behält es, was es gelernt hat?
  • Kann es Erfahrungen verallgemeinern, falsche Verallgemeinerungen vermeiden?
  • Kann es Probleme anderen erklären, Erlebnisse für andere in Worte umsetzen?
  • Kann es aus einzelnen Beobachtungen Schlussfolgerungen ziehen, sie miteinander kombinieren?
  • Kann es Denkvorgänge nachvollziehen und Aufgaben produktiv lösen?

Lernbereitschaft

  • Wie ist seine Einstellung zur Schule und zur Arbeit?
  • Kann es sich anstrengen und sich über längere Zeit auf ein einzelnes Thema konzentrieren?
  • Hat es besondere Interessen?

Individual- und Sozialverhalten

  • Wie ist die Grundstimmung des Kindes?
  • Wie sensibel oder robust ist es seelisch?
  • Welche Werte sind ihm besonders wichtig?
  • Wie offen ist es gegenüber anderen Menschen?
  • Wie findet es sich in einer Gruppe zurech
Besonderheiten in der körperlichen und gesundheitlichen Verfassung

Berücksichtigen müssten die Eltern außerdem noch die häuslichen Verhältnisse, etwa die Frage, ob ihre Sprösslinge zu Hause genügend Platz und Ruhe zum Lernen haben, und ihre eigenen Möglichkeiten, den Kindern im Zweifelsfall einmal unter die Arme zu greifen und sie zu fördern.
Natürlich sind nicht alle diese Punkte gleich wichtig. Manche spielen kaum eine Rolle, solange in der Schule alles glatt lauft, können aber in Krisen plötzlich entscheidende Bedeutung gewinnen. Gerade bei Kindern, die auf „der Kippe“ stehen, sollten die Eltern sie deshalb zumindest mit berücksichtigen. Allerdings: Viele dürften sich glatt überfordert fühlen, ihre Kinder in all diesen Punkten genau zu beurteilen, zumal ihnen der Vergleich mit anderen Kindern und damit ein verlässlicher Maßstab fehlt. Sie wären deshalb auch schlecht beraten, die Entscheidung ganz für sich allein im stillen Kämmerlein zu treffen. Die notwendigen Beratungen mit und durch die Lehrkräfte schreiben daher auch die Übergangsregelungen fest vor.
Ganz vorsichtig sollten Eltern mit Tests und Förderprogrammen für den häuslichen Gebrauch umgehen, die unter Überschriften wie „Ist Ihr Kind reif für das Gymnasium?“ auf dem Buchmarkt angeboten werden. Ein hektisches Theater um den Schulwechsel während des vierten Schuljahres wird die Lernfreude ihrer Kinder nämlich kaum steigern. Und außerdem: Was nützt es, ein Kind unter riesigem Einsatz kurzfristig „reif“ für Realschule/Gymnasium zu machen, wenn ihm später, glücklich aufgenommen, der große Rückschlag droht?

Wodurch sich die Schulen unterscheiden

Die Theoretiker aufs Gymnasium, die Praktiker auf die Hauptschule - und auf die Realschule... so etwa die, die dazwischenliegen?? Jetzt brauchen die Eltern nur noch einen bestimmten Fragenkatalog abzufragen - und schon hat man die Lösung: z. B..
- Zeigt Ihr Kind Interesse an Gartenarbeit und Haushalt ?
- Spielt es gerne Schach?
- Liest es täglich mehr als eine Stunde ?
   ....dann haben Sie richtig gewählt ....
Schön wär's !
In der Praxis fragt beim Schulwechsel niemand nach unterschiedlichen Arten von Begabung. Wer sagt denn auch, dass „theoretische“ und „praktische“ Intelligenz überall so fein säuberlich getrennt auftreten? Ein ,,Stubenhocker“ mit zwei linken Händen beweist damit allein noch nicht die Reife fürs Gymnasium.
Umgekehrt garantieren schwache Leistungen im Rechnen, Lesen und Schreiben auf der Grundschule noch längst nicht, dass ein Kind sich auf der Hauptschule nun plötzlich zu einem Spitzenschüler entwickelt, weil es dort seinen Sinn fürs Praktische entfalten kann. Die verschiedenen Schultypen unterscheiden sich nämlich nicht nur voneinander, sie haben auch eine Menge gemeinsam. Im Gymnasium wie in der Real- oder Hauptschule müssen die Mädchen und Jungen stundenlang stillsitzen, sich auf Themen konzentrieren und Stoffe im Gedächtnis speichern, die ihnen womöglich völlig "Wutscht" sind, auswendig lernen und bei Klassenarbeiten und Prüfungen so wiedergeben, wie der Prüfer es von ihnen erwartet.
Andererseits entwickeln die Schularten immer mehr ihr eigenes Profil - auch die Schulen selbst unterscheiden sich noch einmal voneinander.

Aus Prestige aufs Gymnasium?

„Bisher hat noch jeder in der Familie das Abitur gemacht“ - oder „unser Sohn übernimmt doch einmal unseren Handwerksbetrieb, dazu braucht er kein Abitur“....
Solche Nützlichkeitserwägungen und solches Prestigedenken wirken oft ganz unterschwellig; sich davon restlos freizumachen, ist auch beim besten Willen oft schwer. Darum bilden Gespräche mit Lehrern, die ihre Schäfchen im Unterricht erlebt haben, und anderen Eltern, die den „Betrieb“ auf der neuen Schule schon von innen kennen gelernt haben, ein nützliches Gegengewicht.

Begabung

Die unterschiedlichen Begabungsdefinitionen können an dieser Stelle keine Darstellung erfahren. Die hier brauchbarste Definition wird wohl sein, dass Begabung die Befähigung zur Lösung neuartiger und unbekannter Probleme ist, in der Entwicklung abhängig von Anlage und Umwelt. Dabei ist Begabung kein statischer, sondern ein dynamischer Begriff.
Kinder sind begabbar: Anlagen können entwickelt, gefördert und gesteuert, aber auch vernachlässigt und abgebaut werden. Ein befriedigendes Urteil über die Begabungsstruktur eines Menschen zu geben, ist erst nach der Pubertät möglich.

Stützfunktionen der Begabung

Bei fehlender oder undeutlicher Begabungsstruktur kommt den so genannten Stützfunktionen der Begabung eine wichtige Bedeutung zu.
a) Persönlichkeitsentwicklung
b) Arbeitsverhalten
c) Sprachliche Entwicklung
d) Kognitive Faktoren

Schulleistung

Begabung und Stützfunktionen sind Bedingungsfaktoren von Schulleistung. Sie bestimmen die Benotung in den einzelnen Fächern wesentlich mit und fließen zum Teil selbst in die Benotung mit ein. Der Stellenwert der schulischen Leistung im Übergangsverfahren sollte sich nicht so sehr auf die Bewertung unmittelbar vor der Grundschulempfehlung beziehen, sondern sollte sich im Interesse des Kindes an der Beobachtung während eines längeren Zeitraumes orientieren. Es ist sehr wohl zu überlegen, ob eine mittelmäßige Schulleistung durch hohe Ausprägung der Stützfunktionen ausgeglichen werden kann oder umgekehrt.

Diese Informationen wurden auf der Grundlage verschiedener Informationsbroschüren des KM Baden-Württemberg und der Zeitschrift „Unser Kind“ zusammengestellt.
Bearbeitung und Ergänzung: Dipl.Päd. Rudolf Karg
Nachdruck nur mit Genehmigung gestattet.

Übergang auf weiterführende Schulen – Einschätzung durch die Eltern 

Wie kann ich mein Kind einschätzen im Hinblick auf die Faktoren

- Ansprechbarkeit
- Auffassungsfähigkeit
- Wiedergabe und Gestaltung
- Selbstbewusstsein, Selbstständigkeit?

Anpassungsfähigkeit...

eher so

oder so

verarbeitet neue Lerninhalte rasch und richtig

langsam, unzutreffend

Gelerntes bleibt lange verfügbar

wird rasch vergessen

erkennt rasch wesentliche Strukturen, Elemente

durchschaut wenig

geht prakt. Aufgaben geschickt an, erfinderisch

ungeschickt, unbeholfen

kann Konkretes rasch verallgemeinern

bleibt im Konkreten

kann allg. Regeln u, Aussagen veranschaulichen

kann nicht übertragen

Wiedergabe und Gestaltung...

eher so

oder so

lernt leicht und erfolgreich auswendig

memoriert erfolglos

spricht gewandt und sachbezogen

unbeholfen, unsachgemäß

schreibt sorgfältig, stellt übersichtlich dar

flüchtig, unübersichtlich

kann Sachverhalte skizzenhaft darstellen

kann nicht skizzieren

ordnet einfache Versuche übersichtlich an

unlogisch, unübersichtlich

entfaltet sich im darstellenden Spiel

ist eher verklemmt

bewegt sich gut gesteuert, harmonisch

oft ungesteuert

begeistert sich in der Musik

bleibt passiv

setzt Impulse im Gestalten schöpferisch um

ist eher einfallsarm

spricht frei und ungehemmt vor der Klasse

gehemmt, ängstlich

Selbstbewusstsein, Selbständigkeit...

eher so

oder so

arbeitet unaufgefordert, selbständig mit

braucht viel Anstöße

arbeitet zielsicher und konzentriert

ziellos, unkonzentriert

kann ausdauernd arbeiten

keine Ausdauer

arbeitet gleichmäßig, ohne Leistungsschwankg.

erhebliche Schwankungen

beobachtet genau und zuverlässig

ungenau, fehlerhaft

bleibt in Ausnahmesituationen gelassen

aufgeregt, kopflos

ist selbstbewusst, nicht gleich entmutigt

unsicher, mutlos

 

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