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Für die Schulfähigkeit eines Kindes sind sieben Gesichtspunkte wesentlich:
- 1. die körperliche Entwicklung;
- 2. die motorische Entwicklung;
- 3. die Entwicklung der Wahrnehmungs und Denkfähigkeit;
- 4. die Entwicklung von Gedächtnis und Konzentration
- 5. die Entwicklung der Sprache;
- 6. die Entwicklung der Leistungsmotivation;
- 7. die Persönlichkeitsentwicklung.
1. Körperliche Schulfähigkeit / Schulreife
Den Stand der körperlichen Entwicklung stellt der Arzt bei der Einschulungsuntersuchung fest.
Die körperliche Entwicklung ist weitgehend von biologischen Reifungsprozessen abhängig (erster Gestaltwandel). Unter erstem Gestaltwandel versteht man das proportionale Zurücktreten der Rumpflänge gegenüber den länger werdenden Extremitäten, die Einschnürung der zuvor mehr walzenförmigen Taille, die breiteren Schultern, die sogenannte SKurvatur der Wirbelsäule, das größere und ausgeprägtere Untergesicht bei gleichzeitigem Zurücktreten der zuvor kleinkindhaft hochgewölbten Stirn sowie die gesteuerte gegenüber der zuvor mehr ‘trudelnden’ Motorik'. Im Durchschnitt sollten Schulanfänger mit 6 Jahren eine Durchschnittsgröße von 118 +/ 11 cm und ein Gewicht von 21 kg +/ 4,5 kg aufweisen.
Stichworte: Streckung - Zahnwechsel -Ernährung - Haltungsschäden - Behinderungen - Gestaltwandel
2. Motorische Schulfähigkeit
Der Stand der motorischen Entwicklung ist abhängig von der Entwicklung des Nervensystems, des Knochenbaus und der Muskulatur. Es lässt sich die Grobmotorik (Körperbeherrschung) von der Feinmotorik (Bewegungsfähigkeit) unterscheiden.
Der Entwicklungsstand der Grobmotorik, z. B. das Gehen und Steigen von Treppen, das AufeinemBeinStehen, das Ballfangen usw. ist deswegen wichtig, weil eine Fehlentwicklung in diesem Bereich nicht selten der Anlass zu Störungen im Sozialverhalten ist. Das plumpe, tolpatschige Kind wird von seinen Klassenkameraden gehänselt und zurückgesetzt. Ängstlichkeit in diesem Funktionsbereich und Aggressivität im Sozialverhalten könnten die Folgen sein..
Die Entwicklung der Grobmotorik ist z. B. feststellbar durch Beobachtungen bei den Bewegungsausführungen:
Ist das Kind sicher im Laufen und Gehen, wie sicher ist es in Spielen wie Seilspringen und/oder Ballwerfen?
Der Entwicklungsstand der Feinmotorik ist ebenfalls Voraussetzung für einen erfolgreichen Schulbesuch, da der gesamte Schreiblernprozess auf dieser Funktion aufbaut.
Erkennbar ist die Ausbildung dieses Entwicklungsstandes beim Malen, Basteln, Kleben, Ausschneiden usw. Wie hält das Kind den Bleistift, wie die Schere, wie lange kann es sich dabei verweilen (Ausdauer)?
Die motorische Entwicklung eines Kindes kann gezielt gefördert werden.
a) Grobmotorik:
Rollschuhlaufen / In-line-skating(??), Springseilspringen, Ballspiele, Fangen spielen, Turnen, Gymnastik, Schwimmen, heilgymnastische Übungen, Rhythmikübungen usw.
b) Feinmotorik:
Flohspiel, Packesel, Spitz pass auf, Jojo, Wurfspiel, Labyrinthdurchlaufen, alle Arten von Geschicklichkeitsspielen, alle Arten von Bastelarbeiten, Konstruktionsspiele wie Lego, Fischer-Technik, Constri u.ä., ergänzend z.T. auch geeignete Computerspiele.
3. Wahrnehmungsweise, -fähigkeit, Denkfähigkeit
Um erfolgreich dem Anfangsunterricht folgen zu können, muss das Kind z. B. Farben, Formen und Größen erkennen, differenzieren und diskriminieren können, d.h. es muss einerseits Gegenstände als klein, groß, rund, eckig usw. erkennen können und andererseits auch in der Lage sein, diese Gegenstände in ihrer gegenseitigen Beziehung wiedererkennen und zuordnen können. Es sollte bis zu fünf Elemente zusammen erfassen können (Vergleichen, Ordnen, Herstellen).
Auch die visumotorische Koordinationsfähigkeit und das Sehvermögen sind von Bedeutung. Diese Fähigkeiten der Gliederung, der Formauffassung und Formwiedergabe sind wichtig und übbar, d.h. geringe Defizite können im Unterricht aufgeholt werden.
Denkfähigkeit und Wahrnehmungsvermögen sind eng aufeinander bezogen. Eine gute allgemeine intellektuelle Leistungsfähigkeit wirkt auf die anderen Fähigkeiten wie Konzentration, Ausdauer, Arbeitsverhalten, Motivation usw. positiv verstärkend ein.
Denkfähigkeit zeigt sich im Erkennen von Beziehungen und Regelhaftigkeiten sowohl im sprachfreien, als auch bei sprachgebundenem Material (z. B. ergänzende Elemente in Mustern erkennen, Bildergeschichten erfassen bzw. ergänzen können usw.
Besonders wichtig sind die folgenden Wahrnehmungsprozesse:
- Figur - Hintergrund - Wahrnehmung (z. B. Vexierbild);
- Formkonstanz (Kind erkennt die eine Figur unter mehreren, auch ineinanderliegenden Figuren);
- Erkennen räumlicher Lage (links oder rechts, oben oder unten, vorn oder hinten);
Erkennen räumlicher Beziehung;
- Unterscheiden verschiedener Töne;
- Gliedern von Tönen z. B. nach der Lautstärke, der Höhe bzw. Tiefe.
4. Gedächtnis und Konzentration (Arbeitsverhalten)
Schon das kleine Kind entwickelt sukzessive sein optisches und akustisches Gedächtnis, eine Stützfunktion seiner geistigen Fähigkeiten. Mit Hilfe des Gedächtnisses werden spätere geistige Arbeiten erledigt werden können.).
Für das Lernen und Arbeiten in der Schule ist ein Mindestmaß an Aufgabenbewusstsein und Durchhaltevermögen erforderlich. Diese Fähigkeit, sich willentlich eine längere Zeit (einige Minuten) intensiv einer Fragestellung zuzuwenden, ermöglicht erst schulisches Lernen. Das Arbeitsverhalten eines Kindes lässt sich an seiner Ausdauer und der Genauigkeit beim Bearbeiten einer kindgemäßen Aufgabenstellung, eines Spieles erkennen. Merkfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit lassen sich z.B. daran erkennen, ob ein Kind eine gezeigte Figur (mit Plättchen o.ä.) nachlegen oder nachzeichnen, eine kurze Geschichte nacherzählen, in einer erzählten Bildergeschichte genannte Namen wieder zuordnen kann, sich längere Zeit mit einem Spiel z. B. mit einem Puzzle oder Memory beschäftigen kann, usw.
Fördermöglichkeiten:
Vorschulmappen, logische Bausteine, Domino, Puzzles, Steckbretter, Bildergeschichten u. ä.
5. Sprachentwicklung
Der Mensch ist ein ,Sprachwesen', d. h. wie schon im vorschulischen Bereich, so wird in der Schule die Sprachfähigkeit (Sprechen können, Zuhören können, Dekodieren können) benötigt: Informationen sind aufzunehmen, zu erklären, weiterzugeben und darzustellen. Hierzu gehört auch die Fähigkeit der angemessenen sach- und persongerechten Kommunikation mit verschiedenen (Gesprächs)Partnern (sozialer Aspekt). Sprachverhalten und Ausdrucksfähigkeit sind u.a. von Umweltfaktoren und emotionaler Gestimmtheit (z. B. Unsicherheit, Angst) abhängig. Der Anfangsunterricht wird auf die jeweilige Ausprägung der Sprachfähigkeit fördernd und ausgleichend zugleich wirken.
Die Sprachentwicklung ist besonders eng mit der Entwicklung der geistigen Fähigkeiten verbunden. Denken vollzieht sich in der Sprache, ist also „stilles, gedankliches Sprechen“.
Der aktive und passive Wortschatz eines einzuschulenden Kindes umfasst ca. 2500 Wörter.
Die Schule erwartet das Verstehen von einfachen Texten (passiver Wortschatz); zusammenhängendes Erzählen können; Beachten grundlegender Satzstrukturen; Zuhören können usw.; Befolgen können von Anweisungen.
Fördermöglichkeiten:
Verschiedenste Sprach und Puppenspiele fördern die Sprachentwicklung.
Hören kindgerechter Kassetten - wenn es im richtigen Rahmen geschieht.
Gemeinsames Betrachten /Vorlesen von Bilder/Büchern, Gutenachtgeschichten.
6. Leistungsmotivation
Die sogenannte Leistungsmotivation, d. h. das Bestreben, die eigene Tüchtigkeit in allen jenen Tätigkeiten zu steigern und möglichst hoch zu halten, ist für das schulische Lernen und Arbeiten besonders wichtig. Die Entwicklungsanfänge der Leistungsmotivation beginnen zwischen 3 1/2 und 4 1/2 Lebensjahren. Es ist entscheidend, ob ein Kind seine Erfolge oder Misserfolge als Produkt seiner Anstrengung und seines Bemühens oder des Zufalls sowie seiner Begabung sehen lernt.
Leistung aufgrund von Können und Anstrengung bewirken eine erhöhte Anstrengungsbereitschaft sowie ein erhöhtes Selbstvertrauen. Für einen erfolgreichen Schulbesuch ist es unerlässlich, dass das Kind sich in gewissem Umfang Aufgaben zuwendet und sie als so interessant empfindet, dass es alleine daran weiterarbeitet.
Ein Kind, das in Leistungssituationen mit Selbstvertrauen und Erfolgszuversicht an die Aufgabenlösung geht, hat günstigere Lern und Leistungsbedingungen als ein Kind, das sich aufgrund seiner Misserfolgsängstlichkeit beim Erreichen eines Erfolges selbst behindert.
Elternhaus, Kindergarten und Schule kommt hier eine unerlässlich ausgleichend fördernde Aufgabe durch entsprechendes Verhalten zu, um dem jeweiligen Kind durch Erfahrungen zu einer positiven Sicht seiner Leistungen und Fähigkeiten zu verhelfen.
7. Persönlichkeitsentwicklung
Schulbereitschaft und Schulfähigkeit eines Kindes zeigen sich auch im sozialemotionalen Entwicklungsstand. In diesem Bereich kommt die gesamte Persönlichkeit des jeweiligen Kindes in den Blick.
Gesichtspunkte sind u. a.:
- Fähigkeit zur Kontaktaufnahme mit Gleichaltrigen und mit Erwachsenen (auch Kontakt- aufnahme und Identifikation mit dem Lehrer)
- Zusammenarbeiten können mit Gleichaltrigen, Beteiligung am Unterricht;
- Selbstsicherheit, Selbstkontrolle;
- Fähigkeit zu emotionaler Zuwendung (Kameradschaften Freundschaften, Arbeitspartnerschaften eingehen usw.) und sozialer Einfügung (z. B. Einhalten von Regeln);
- Fähigkeit, Verantwortung in eigenen Bereich zu übernehmen;
- Fähigkeit, Konflikte auszuhalten und angemessen auszutragen
- Fähigkeit zu angemessenem selbständigen Handeln;
- Ausdauer und physische Belastbarkeit.
Ein wesentliches Element ist die Einordnung in die Spiel und Arbeitsgruppe und schließlich in die Schulklasse als Arbeitsgemeinschaft, zielstrebige, ausdauernde Arbeitsweise, Unabhängigkeit von ständiger Betreuung durch die Familie.
Eine sozialemotionale Schulbereitschaft zeigt sich z.B. in Merkmalen wie: Gruppenfähigkeit, emotionale Sicherheit und Stabilität, altersgemäße Selbständigkeit und Anpassungsfähig und auch darin, dass das Kind in altersangemessener Weise eigene Bedürfnisse zurückstellen kann. Es ist fähig zu warten, bis es selbst an der Reihe ist.
Vertraute Bezugspersonen, z. B. die Eltern, sind zwar weiterhin wichtig, doch baut das Kind neue Vertrauensverhältnisse auf (zu den Lehrkräften), die ihm ein Agieren in Geborgenheit ermöglichen.
Was kann man vom Schulkind erwarten?
- 1. Gewicht - Größe s.o.
- 2. Es ist anfällig für HNO - Erkrankungen
- 3. Es kann sich alleine waschen
- 4. Es kann Zähne putzen
- 5. Es verliert Milchzähne
- 6. Es kann alleine auf die Toilette gehen
- 7. Es kann sich alleine anziehen
- 8. Messer-Gabel-Schere-Licht .....
- 9. Flüssigkeiten einschenken
- 10. rechts und rinks ..
- 11. Verkehrszeichen
- 12. Verkehrsampel
- 13. Es kann alleine über die Straße
- 14. Mehrere Aufträge hintereinander
- 15. Bauen, Kneten, Formen, Basteln
- 16. Gesellschaftsspiele
- 17. Freundschaften ...
- 18. Umgangssprache ...
- 19. Interesse für Lesen, Schreiben, Zahlen
- 20. Zuhören-Wiedergeben
- 21. Wissbegierig- warum
- 22. Pünktlichkeit
- 23. Vor-Nachname, Adresse
- 24. Aufgaben selbst erledigen
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